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Herzlich Willkommen beim Erzählbriefkasten

Hier finden Sie eine erste Übersicht aller bereits vorhandenen Geschichten, die wir im Laufe des Projektes erfasst haben. Diese können Sie darunter kommentieren, ergänzen oder richtig stellen.


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Aktuelle Beiträge

Frau Bohmann, zog 2024 nach Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich wohne jetzt erst seit kurzem in Lütten Klein, nachdem mein Mann und ich dreißig Jahre in Berlin verbracht haben. Mein Mann ist in Schwerin aufgewachsen und wollte gerne wieder nach Mecklenburg. Ich kannte Rostock schon ganz gut, weil seine Zwillingsschwester in Lichtenhagen wohnte. Dorthin zogen wir 2005, nach dem Beginn unserer Rentenzeit, in die Mecklenburger Allee. Damals konnte man sich dort einfach eine Wohnung aussuchen und wir bekamen eine 3-Raumwohnung, neu saniert und mit Innen-Fahrstuhl im Haus.

2024 musste ich wegen einer Operation ins Krankenhaus, eigentlich nur für zwei Wochen. Aber es gab Komplikationen und ich musste immer wieder operiert werden. Nach der dritten Operation war ich querschnittsgelähmt. Ich konnte mich nicht länger um meinen pflegebedürftigen Mann kümmern, so dass er dauerhaft ins Pflegeheim musste. Und ich selbst musste umziehen: die Wohnung war für mich allein zu groß und außerdem nicht rollstuhlgerecht.

Nach vielem Hin und Her konnte ich dann in die Ahlbecker Straße ziehen, in eine der altersgerechten Wohnungen. Trotzdem mussten wir noch einiges umbauen und es ist noch ein bisschen eng, aber die Zimmer sind schön groß. Nur auf den Balkon komme ich nicht, die Fenstertür ist zu schmal. Ich hoffe, dass ich eines Tages wieder laufen kann, um auch mal auf den Balkon zu können.

Ich kannte Lütten Klein aber schon vor meinem Umzug hierher. Ich war früher oft zum Einkaufen dort, das ging von Lichtenhagen aus ganz schnell. Hier ist es ein bisschen anders, aber die Straßenbahn fährt direkt hinter unserem Haus ab. Leider hat sich hier vieles sehr verändert.

Die anderen Leute bei mir im Haus bekomme ich eigentlich nie zu Gesicht. Viele von ihnen sind wohl schon älter. Doch, einmal gab es Kontakt. Da war unsere Katze verschwunden und eine Frau kam vorbei, um sie zurückzubringen. Sie wusste, wohin die Katze gehört, weil mein Sohn manchmal mit ihr auf dem Flur spazieren geht.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Johanna, Jahrgang 2000, zog 2019 nach Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich zog 2019 fürs Studium nach Lütten Klein und habe zunächst ein halbes Jahr in einer WG gewohnt, weil das die einzige bezahlbare Wohnmöglichkeit war. Danach zog ich eine Straße weiter zu meinem damaligen Freund und heutigen Mann. Die Wohnung wurde von einem privaten Wohnungsunternehmen vermietet und war ziemlich teuer. Dort wohnten wir ungefähr zwei Jahre, ehe wir uns eine Dreiraumwohnung suchten, weil wir unser erstes Kind bekamen. In dieser Wohnung wohnen wir nun seit vier Jahren, inzwischen sogar schon mit zwei Kindern und möchten eigentlich unbedingt weg, in ein eigenes Haus, gern auf dem Dorf. Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden, auf einem Hof mit jahrhundertelanger Familientradition, mit ganz viel Land und direkt am Wasser. Das vermisse ich schon und für unsere Kinder wäre es sogar noch wichtiger. Aber auch für mich persönlich ist das Wohnen im Plattenbau schwierig: Man steht nicht auf eigenem Boden, wenn man vor die Tür geht, sondern ist direkt in der Öffentlichkeit. Das geht sicher Leuten anders, die so aufgewachsen sind und das von klein auf kennen. Mein Mann ist in Lütten Klein aufgewachsen, aber für ihn ist es auch wichtig, dass die Kinder unkompliziert mal vor die Tür können. Als er Jugendlicher war, zogen seine Eltern mit ihm nach Lichtenhagen-Dorf, in ein Haus mit Garten. Das möchte er selbst auch wieder haben. Aber der Hauptgrund sind die Kinder. Wenn wir zum Beispiel vom Kindergarten nach Hause gehen, läuft mein Großer am Weg lang und spielt die ganze Zeit mit Stöckern am Straßenrand. Das gefällt mir gar nicht, wegen des vielen Verkehrs und des herumliegenden Mülls. Also ziehe ich ihn dann immer weiter. Aber eigentlich möchte ich, dass er draußen entspannt spielen und Spaß haben kann. Ich kenne das halt anders. Ich kann mich hier nicht anfreunden mit der Stadt.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Frau H., Jahrgang 1967, zog 2018 nach Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Die ersten sechs Jahre meines Lebens verbrachte ich in Reutershagen, danach zog meine Familie nach Evershagen. Als ich erwachsen wurde, zog ich erstmal in die Welt, um dann nach Evershagen zurückzukehren. Dort wohnte ich mit meiner Schwester zusammen, anschließend eine Zeit lang in Lichtenhagen, mit meinem damaligen Mann. Nach unserer Trennung zog ich in die erste Wohnung, die ich bekommen konnte. Für die Wohnungssuche musste ich meine Wunschstadtteile angeben und wählte Evershagen, Reutershagen, Lütten Klein und Lichtenhagen. Ich wollte nicht nach Schmarl oder Groß Klein, weil dort die Verkehrsanbindung nicht so gut ist. Lütten Klein war nicht unbedingt mein Favorit, aber dort, wo ich jetzt wohne, habe ich hervorragende Einkaufsmöglichkeiten: Edeka, den Baumarkt und den Mixmarkt, wo vorher Norma war. Außerdem kenne ich mich hier einfach aus, weil ich hier aufgewachsen bin.

Seit meinem Umzug nach Lütten Klein wohne ich im Hochhaus. Das ist super, weil ich auch einen Fahrstuhl habe. Allerdings gibt es leider keinen Balkon, das fehlt mir schon. Der Zuschnitt der Wohnung gefällt mir auch nicht so gut. Küche und Bad sind sehr klein, und ich habe zwar einen großen Abstellraum, aber keinen Keller. Aber meine Wohnungsgenossenschaft ist toll, die haben schon echt viel am Haus gemacht, seit ich hier eingezogen bin: die Beleuchtung verbessert, neues Laminat in den Fluren verlegt. Außerdem ist die Wohnung einigermaßen altersgerecht, durch meine Arbeit in der Pflege weiß ich, worauf man da achten muss, auch für später.

Das mit der guten Anbindung an Bahn und S-Bahn ist mir vor allem deshalb wichtig, weil ich viel mit dem Deutschlandticket herumreise. Meistens bin ich in Mecklenburg unterwegs. Dort suche ich mir ein Ziel aus und gehe dann da wandern. Aber eigentlich würde ich gern nochmal umziehen, in die Südstadt, um näher am Hauptbahnhof zu wohnen. So könnte ich meine Reisen noch entspannter starten.

Wenn ich zuhause bin, gehe ich oft auf den Sportplatz an der Schule, vor allem im Sommer – zum Sportmachen oder Laufen – das ist ideal, weil es so kein Geld kostet. Man kann den Platz öffentlich nutzen, von 6 bis 22 Uhr glaube ich. Wieviel ich dann laufe, hängt von meiner Tagesform ab. Manchmal schaffe ich eine Runde, manchmal aber auch fünf. Außerdem versuche ich, dort Liegestütze und andere Übungen zu machen. Es gibt sogar eine Tafel mit Empfehlungen für jedes Sportgerät, von denen ich viele für mich geeignet finde. Gut finde ich auch diese Klangsachen und Sportgeräte für Erwachsene auf dem Spielplatz Stockholmer Straße.

Schade, dass die Gehwege in so einem schlechten Zustand sind und somit noch eine Unfallquelle für alle Bewohner darstellen. Dadurch trägt das Hilfsmittel Rollator noch zur Sturzgefahr bei und ist schwerer zu handhaben.

Was ich wirklich vermisse, ist das Fischerdorf, wie es früher war. Da gab es diese Hütten mit Verkaufsbuden, eine Minigolfbahn und einiges mehr. Ich würde mir sehr wünschen, dass das Fischerdorf wieder belebt wird: mit Veranstaltungen und auch mit Toiletten und ohne, dass jeder seinen Müll irgendwo hinschmeißt. Es sollte wieder so ein geselliger Punkt werden. Zurzeit hat man praktisch nur den kleinen See, der ist schnell umrundet. Dort stehen auch ein paar Bänke. Viele grillen auf der Wiese, aber ich weiß eben auch, dass viele die Kioske sehr vermissen. Wenn hier wieder Häuschen und Buden stünden und es einen Spielplatz für Kinder gäbe, könnten die Kinder dort spielen, während Mutti einen Kaffee trinkt, Kuchen oder Eis isst. Die Älteren können auch nicht so weit gehen, da wäre so ein Ort ganz in der Nähe sehr schön. Das ist was für Groß und Klein.

Also insgesamt gefällt mir Lütten Klein schon gut. Wenn meine Reisen nicht wären, dann würde ich hierbleiben wollen.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Lio, Jahrgang 2014, wohnt seit 2017 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Meine erste Erinnerung an Lütten Klein ist der Brunnen-Spielplatz neben dem großen blauen Haus. Und ich erinnere mich noch gut daran, dass ich viel mit meiner Freundin Clara gespielt habe. Sie war lange meine einzige Freundin und wohnte ganz in der Nähe. Wir sind oft gemeinsam auf den Spielplatz gegangen, haben uns manchmal aber auch gegenseitig besucht.

Als ich dann zur Schule kam, war ich oft mit Freunden auf diesem Spielplatz mit der steilen Rutsche. Dort haben wir gespielt, aber oft auch Mist gebaut. Ich erinnere mich noch, dass wir die Rutsche mit Glitzersteinen beklebt haben – wenn Erwachsene kamen, mussten wir sie schnell wieder abmachen. Wir haben uns dort auch ein Geheimversteck gebaut, mit einem Eingang aus Ästen und einer Einrichtung aus Dingen, die irgendwo herumstanden. Dort haben wir uns dann oft getroffen. Inzwischen gibt es das Versteck nicht mehr: die Tür wurde von anderen kaputtgemacht, die Sträucher so zurückgeschnitten, dass man von außen hineinsehen kann. Aber es gibt trotzdem hier und da noch Ecken, an denen man sich solche Orte bauen und sich dort treffen kann.

Ich mag an Lütten Klein, dass es hier so viel so viel ruhiger ist als in der Stadt. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Dorf, auch weil man gefühlt jeden kennt, zumindest vom Sehen. Und wenn etwas passiert, weiß man meistens schon, wer es war. Was mich aber wirklich stört, ist der viele Müll, der hier herumliegt. Wir als Kinder können noch wenig dagegen machen, aber wenn ich älter bin, möchte Leute dazu aufrufen, gemeinsam die Spielplätze ordentlicher zu halten. Vielleicht brauchen wir aber auch Geldstrafen für Leute, die ihren Müll wegwerfen oder unerlaubt eine Wand besprayen.

Silvester ist das mit dem Müll besonders schlimm. Aber auch sonst mag ich Silvester nicht besonders: Da stehen viele Feuerwerkbatterien nebeneinander in einer Reihe und alle werden gleichzeitig angezündet. Man sieht gar nicht mehr den Himmel, nur noch dieses Feuerwerk und überall Rauch.

Dort wo jetzt der Blumenladen ist, neben dem Penny, war früher ein Kiosk. Dort war ich damals wirklich jeden Tag, immer direkt nach der Schule, und habe mir so einen Wunderlutscher geholt. Inzwischen ist der Kiosk umgezogen, am neuen Standort gibt es keine Wunderlutscher mehr. Die vermisse ich richtig. Aber inzwischen gehe ich auch auf eine andere Schule, da läge der Kiosk nicht mehr auf dem Weg.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Judith Usbeck, Jahrgang 1986, zog 2016 nach Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich komme ursprünglich aus Südthüringen und habe in Jena studiert. 2016 beendete ich mein Studium und ging auf Jobsuche, zunächst in Mitteldeutschland und mit wenig Erfolg. Also schaute ich weiter in Richtung Norden, den ich aus meiner FSJ-Zeit [Anm. Red.: Freiwilliges Soziales Jahr] schon ein bisschen kannte. Damals hatte ich, gleich nach meinem Abi im Jahr 2005, am Staatstheater Schwerin gearbeitet. Ich fand eine Stellenausschreibung, die mich interessierte, in dem Projekt, in dem ich bis heute und damit schon seit zehn Jahren arbeite. Ich bewarb mich, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam schon während dieses Gesprächs eine Zusage. Meine spätere Chefin wollte, dass ich gleich am darauffolgenden Montag anfing – das Gespräch fand an einem Donnerstag statt. Ich sagte: „Moment, ich muss mir ja noch eine Wohnung suchen.“ So konnte ich ein bisschen mehr Zeit aushandeln, immerhin eine Woche.

Erstmal wohnte ich dann einige Wochen zur Zwischenmiete in der KTV. In dieser Zeit besichtigte ich eine Wohnung nach der anderen. Dabei suchte ich natürlich in den bezahlbaren Stadtteilen, die nicht allzu weit von meinem Arbeitsort Warnemünde entfernt lagen. Lütten Klein sprach mich gleich an. Ich weiß noch, dass ich beim Rundgang durch den Stadtteil feststellte, wie grün es hier ist. Außerdem ist Lütten Klein gut an den ÖPNV angebunden, hat den Boulevard und den Warnowpark. Das waren dann neben der bezahlbaren Miete die Hauptargumente für den Stadtteil. Ein weiterer Vorteil war, dass meine Wohnung schon eine Küche hatte. So konnte ich, zumal handwerklich nicht sehr begabt, schnell und unkompliziert einziehen. Als ich die Wohnung besichtigte, schaute ich aus dem Fenster und war von Grün umgeben. Das erinnerte mich auf sehr schöne Weise an meine Heimat im Thüringer Wald und war ganz anders als die Platten-Tristesse, die man vielleicht hätte erwarten können. Das erzähle ich allen, die mich mitleidig anschauen, wenn ich erzähle, dass ich in Lütten Klein wohne, im „Plattenbau“. Hier ist es erstaunlich grün, zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist man ganz schnell auf den Feldern oder an der Ostsee. Auch deshalb verstehe ich den ganzen Hate gegen Lütten Klein nicht. Man wohnt hier wirklich ruhig, auch wenn Rostock eine große Stadt ist, in meiner Wohnung hört man nur wenige Verkehrsgeräusche.

Inzwischen bin ich hier richtig angekommen, natürlich auch wegen meines Berufs, einfach weil es so eine schöne, erfüllende und abwechslungsreiche Arbeit ist. Ich bin Projektleiterin eines Mentoringprogrammes für Frauen in Führungspositionen. Dabei begleiten wir Frauen aus der Wirtschaft bei ihrem beruflichen Aufstieg und in ihrer persönlichen Entwicklung. Außerdem bin ich seit kurzem Theaterbotschafterin für Lütten Klein. Das war für mich so ein Full-Circle-Moment. Irgendwie schloss sich dadurch der Kreis. Schließlich habe ich am Staatstheater Schwerin meine Liebe zu Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Ich hatte dort eine fantastische Zeit, mit der mich viele schöne Erinnerungen verbinden. Als ich den Aufruf sah, zögerte ich zunächst, weil ich mit vielen anderen Bewerbern rechnete. Aber am Ende gab es die gar nicht und die Wahl fiel auf mich. Ich sagte sofort ja. Aktuell organisiere ich die erste Lütten Kleiner Theater(Tram)Expedition: Wir fahren mit der Straßenbahn gemeinsam zu einer Vorstellung. Darauf freue ich mich, weil ich sicher nochmal andere Menschen kennenlerne. Ich bin sehr gespannt, wie viele Menschen teilnehmen werden.

Auch darüber hinaus habe ich eine ganze Reihe Ideen, was ich gern im Stadtteil organisieren würde. Gleichzeitig muss ich natürlich schauen, was realistisch ist und wie viel Zeit ich dafür wirklich aufbringen kann. Beispielsweise würde ich gern Müllsammelaktionen in Lütten Klein organisieren, weil mich immer aufregt, wie viel Müll an einigen Stellen herumliegt. Wir haben es wirklich schön hier und könnten noch mehr dafür sorgen, dass es so bleibt, finde ich. Während der Corona-Pandemie habe ich viel im Homeoffice gearbeitet und ging in den Pausen häufig im Park spazieren. Damals habe ich auf meinen Runden oft Müll gesammelt, gerade so zur Frühjahrszeit. Was ich da rausgeholt habe!

Der Warnow Park war, als ich 2016 herzog, ein karger, fast lebloser Ort. Ich finde enorm, was Frank Middendorf als Center-Manager, gemeinsam mit dem Stadtteil, den ganzen Menschen hier, dort seitdem auf die Beine gestellt hat. Inzwischen ist der Park auf ganz neue Weise lebendig. An diesem Beispiel kann man sehen, was möglich ist, wenn ein Mensch sich mit Herzblut und Leidenschaft engagiert. Solche produktive und positive Energie wünsche ich mir öfter, ein Engagement für und nicht gegen den Stadtteil. Wenn es weniger Vandalismus geben würde, hätte Lütten Klein vermutlich viel mehr Strahlkraft, weit über den eigenen Stadtteil hinaus. Es gibt eine Menge Potenzial. Vieles wurde neugestaltet, etwa der Sportplatz und die Sporthalle in der Kopenhagener Straße. Und es gibt so viele schöne kleine Ecken, die es zu entdecken lohnt, etwa das Fischerdorf oder den Lichtenhäger Park, beide in unmittelbarer Nähe. Ich gehe dort manchmal Vögel beobachten. Neulich habe ich einen Eisvogel gesehen, einen dieser kleinen Schätze. Es war im Januar, richtig kalt, aber ein schöner Tag mit Schnee. Ich hörte diesen typischen Pfeifton und wusste gleich: Der Eisvogel ist wieder da. Ich hatte ihn vorher nur ein- oder zweimal kurz gesehen und war ganz aufgeregt, weil das so selten möglich ist. Dann ist er umhergeflogen, hat im Licht geschimmert – ja, er schillert dann richtig. Traumhaft. Außer mir war noch eine andere Frau dort, die ihn auch sah und sich darüber freute. Das war ein wirklich schöner Moment.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Mayel Azad, Jahrgang 1986, wohnt seit 2013 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich kam 2012 mit meiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland: meine Frau und unsere damals zwei Kinder. Wir lebten zunächst drei Monate in der Geflüchtetenunterkunft in Nostorf-Horst, danach für acht oder neun Monate in Parchim. Dort erkundigte ich mich, wo in der Region ein guter Ort zum Leben wäre und man empfahl mir Rostock und dort konkret Lütten Klein. Das sei ein guter Stadtteil, ein Zentrum innerhalb der Stadt. Man habe dort viele Möglichkeiten und komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin. Also bat ich meinen Betreuer, für uns eine Wohnung in Lütten Klein zu suchen. Bei der Wohnungsbesichtigung begleitete mich jemand, der gut Deutsch sprach. Wir hatten Glück und bekamen sie.

In diesem Haus wohnen wir jetzt seit zwölf Jahren – erst in der dritten Etage, seit vier Jahren nun in der ersten. Zum einen, weil unsere Familie größer geworden ist: 2016 wurde unser drittes Kind geboren. Ein weiterer Grund für den Umzug war, dass wir oft Besuch bekommen, beispielsweise von meinem Schwager und seinen Kindern. Wir wollen die Nachbarn nicht stören, die Kinder sind einfach manchmal laut. Wir kommen aus einer ganz anderen Kultur, bei uns bleiben die Kinder bis 22 Uhr wach und spielen so lange. Deswegen ging ich zur WIRO und bat um diese Wohnung im ersten Stock, das hat man uns ermöglicht.

Wir haben zu allen im Haus Kontakt, es ist eine gute Nachbarschaft, man grüßt sich hier im Haus. Und da wir in der ersten Etage wohnen, kommen bei uns viele Pakete an, die die Nachbarn dann bei uns abholen. Wir sind also ein bisschen sowas wie der Paketshop des Hauses, das wissen die Nachbarn und auch die Zusteller. Mit einigen Nachbarn haben wir noch engeren Kontakt, von einigen habe ich sogar Telefonnummern und Schlüssel. Eine sehr, sehr gute Nachbarin war Frau H. Sie zog nach dem Tod ihres Mannes um, aber wir stehen immer noch in Verbindung. Ich kümmere mich, wenn sie Hilfe braucht, ihr Fahrrad einen Platten hat oder solche Dinge oder wir besuchen sie mit den Kindern an ihrem Geburtstag. Meine Kinder und sie bezeichnen sich als Oma und Enkel. Wenn wir uns nicht sehen, weil meine Frau und ich viel arbeiten, bekomme ich trotzdem jeden Morgen eine WhatsApp-Nachricht und eine zum Abendessen.

In unserem Haus gibt es viele 3- oder 4-Zimmer-Wohnungen, deshalb leben hier viele Familien mit Kindern. Meistens sind es zwei oder drei, eine Familie hat sogar vier oder fünf Töchter. Die Kinder im Haus unternehmen aber nicht so viel zusammen, meine Kinder treffen ihre Freunde eher in der Schule. Mein ältester Sohn hat leider wenig Zeit. Er geht dreimal pro Woche zum Fußballtraining, das beginnt 17.30 Uhr und er ist dann erst 21.30 Uhr zuhause. Er steht im Tor bei der U19 bei Hansa, das ist sein Ding, das macht er gern. Er hat schon viele Medaillen gewonnen. Natürlich bin ich stolz auf ihn. Er ist ein guter Junge. Und manchmal ist er auch mit seinen Freunden unterwegs, Burger essen oder so.

2017 habe ich zunächst auch als Pizzafahrer gearbeitet, in der Zeit, wo ich erst meinen B1- und dann meinen B2-Sprachkurs machte. Später war ich dann Paketzusteller, einer meiner Nachbarn ist das auch. Das ist ein sehr stressiger Job: Wenn man beispielsweise eine Express-Zustellung nicht rechtzeitig erledigt, muss die Firma 250 Euro Strafe zahlen. Inzwischen arbeite ich als Busfahrer. Und auch mein Nachbar hat seinen Job gewechselt und ist LKW-Fahrer geworden.

Ich bin wirklich froh, dass ich mit meiner Familie hier in Deutschland lebe. Es geht uns gut hier. Wir hatten das Glück, diese Wohnung zu finden. Meine Frau und ich haben eine Arbeit, meine Kinder können zur Schule gehen. Sie kommen dort gut zurecht, in der Schule und auch sonst mit den Leuten. Das macht mich froh und stolz.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Josefine S., Jahrgang 2008, wohnt seit ihrer Geburt in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich lebe in Lütten Klein, seit ich auf der Welt bin. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist die an den Spielplatz Saßnitzer Straße, der inzwischen abgerissen wurde. Dort konnte man hangeln und so. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, war ich da gefühlt immer, meist zusammen mit Freunden. Wir haben auch mal Blödsinn gemacht, als wir noch kleiner waren, Klingelstreiche bei den Häusern drumherum und solche Sachen. Und wenn es mal Schnee gab, ging ich mit meinen Eltern auf dem Schotterberg hinten beim ASB rodeln.

Das Rote Haus ist sozusagen mein zweites Zuhause, quasi unser Revier. Mit ihm verbinden mich schon viele Erinnerungen, obwohl ich noch gar nicht so lange hierhergehe. 2021 war ich das erste Mal mit Freunden hier und habe mir alles angeguckt. Mein Highlight sind die Halloween-Partys und die Übernachtungen, die wir ab und an hier machen. Außerdem gehen wir einmal im Jahr zusammen auf den Weihnachtsmarkt und haben eine schöne Zeit zusammen mit anschließender Übernachtung hier im Roten Haus. Wir treffen uns tatsächlich immer hier, einen anderen Treffpunkt gibt es für uns nicht. Oder halt bei mir zu Hause, wenn der Treff nicht mehr aufhat. Ich mache gerade in Lichtenhagen meine Ausbildung zur Erzieherin. Aber ich möchte hier in Lütten Klein wohnen bleiben, weil ich alle meine Liebsten hier habe, ich habe meine Familie hier. Schon deshalb möchte ich nirgendwo anders hinziehen, das könnte ich gar nicht.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Frau S., Jahrgang 1966, wohnt seit 2007 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Nächstes Jahr liegt mein Umzug nach Lütten Klein schon zwanzig Jahre zurück. Früher habe ich in Evershagen gewohnt, neben der Gärtnerei, in der ich bis zur Wende arbeitete. Leider war sie der zweite Betrieb in Rostock, der nach 1989 geschlossen wurde, weil dann alles aus Holland kam. Später wurde auch das Haus versteigert, in dem ich damals wohnte und wir mussten ausziehen. Eigentlich wollte ich in Evershagen bleiben, aber dort habe ich keine Wohnung gefunden. Um möglichst in der Nähe zu bleiben, zog ich nach Lütten Klein, in die Helsinkier Straße. Ich bin hier ganz zufrieden.

Ich unterhalte mich gern mal mit den Älteren im Haus. Einige von ihnen sind pflegebedürftig und seit ich hier wohne, sind schon einige von ihnen verstorben. Dann ziehen jüngere Leute nach, aber die gehen oft eher ihre eigenen Wege. Man sieht sich nicht so häufig, hat unterschiedliche Gewohnheiten und gehört auch zu unterschiedlichen Generationen, das darf man nicht vergessen.

Lütten Klein hat sich in diesen zwei Jahrzehnten schön entwickelt. Eigentlich müsste ich nicht in die Innenstadt fahren. Man kann hier gut einkaufen, in der Einkaufspassage Stockholmer Straße oder im Warnowpark. Und es gibt die Kultur- und Sportangebote im Roten Haus. Früher bin ich auch oft ins Kino gegangen, heute hat man auch noch andere Möglichkeiten. Schlimm finde ich die Bürgersteiggestaltung, besonders hier in der Helsinkier Straße. Ein Abschnitt wurde gerade neu gemacht. Berufsbedingt bin ich oft mit Senioren im Rollstuhl oder mit Rollator unterwegs. Die Übergänge sind immer noch schwierig. Man braucht eigentlich einen Kurs, um gut mit dem Rollator durch den Stadtteil zu kommen.

Eigentlich würde ich gern nochmal umziehen, auch mit Blick auf mein Alter. Ich wohne zurzeit im vierten Stock und sehe immer, welche Probleme viele unserer Senioren mit vielen Treppen haben. In meinem Haus gibt es keinen Fahrstuhl. Andere Wohnungen im Block haben einen, aber der hält immer nur auf der halben Etage. Man muss trotzdem noch acht Stufen laufen. Aber Wohnraum ist rar, daher muss man sich rechtzeitig anmelden. Deshalb habe ich meiner Genossenschaft schon mitgeteilt, dass ich irgendwann in eine altersgerechte Wohnung umziehen möchte, gern noch vor der Rente, damit ich mich noch ein bisschen einleben kann. Und wenn diese Wohnung in Lütten Klein wäre, wäre das super.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Olga, Jahrgang 1961, lebt seit 2006 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich bin vor zwanzig Jahren aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, nachdem ich in meiner Heimat meinen späteren Mann kennengelernt hatte, der aus Deutschland kam. Wir heirateten und ich zog zu ihm nach Deutschland, das mir aber keineswegs fremd war: Meine Familie hat deutsche Wurzeln, ich selbst sprach gut Deutsch. Außerdem war meine Tante als Spätaussiedlerin nach Deutschland gekommen, ich hatte hier also Verwandte.

Mein Mann und ich waren damals beide schon über vierzig. Er war alleinerziehender Vater von zwei Töchtern, ich hatte einen vierzehnjährigen Sohn. Mein Mann hatte damals bereits eine Wohnung in Lütten Klein, nun beantragte er eine größere. Die bekamen wir dann auch recht unkompliziert. Aus meiner Sicht ist Lütten Klein ist ein sehr guter Stadtteil: gute Lage, Ärztehaus und Geschäfte in der Nähe, eine gute Straßenbahn- und Busanbindung. Rostock ist insgesamt eine sehr grüne Stadt. Wir wohnen wirklich da, wo andere Urlaub machen. Hier in Lütten Klein gibt es schöne Parks zum Spazierengehen und auch der IGA-Park ist ganz in der Nähe.

Außerdem gefällt mir das Haus sehr gut, in dem wir nun schon seit vielen Jahren leben. Wir sind mit einigen der Nachbarn sehr vertraut, ich kann dort meinen Schlüssel lassen oder habe ihren. Gleichzeitig gibt es auch neue Mieter, die kommen und gehen. Man kennt sie gar nicht. Die älteren Einwohner schon, auch die, die in den umliegenden Häusern wohnen. Wenn ich einkaufen gehe, treffe ich fast immer jemanden.

Seit 2019 haben wir einen Garten in der Gartenanlage „Helsinki“. Sie liegt ganz hier in der Nähe, mit dem Fahrrad sind wir in zehn Minuten dort, zu Fuß in einer halben Stunde. Auch dort haben wir gute Nachbarn: Man passt aufeinander auf, stört sich aber nicht unnötig. Anders gesagt: Man geht nicht auf andere Grundstücke, schaut aber ab und an, ob dort alles in Ordnung ist.

Mein Sohn, der inzwischen erwachsen ist, wohnt jetzt in der früheren Wohnung meiner Tante, im Nachbarhaus. Sie selbst ist mit über achtzig in eine Wohnung unten in unserem Haus gezogen, damit wir uns besser um sie kümmern können. Und auch eine Tochter meines Mannes wohnt in Lütten Klein, die andere lebt in Hamburg. Ich finde es schön, ganz in der Nähe meiner Kinder und Enkel zu leben. Was ist das für eine Oma, die die Kinder nur einmal in zwei Jahren sehen? Ich sehe meine Enkel mehrmals in der Woche und habe zu den Kindern viel Kontakt. Wir helfen im Garten meiner Schwiegertochter, feiern gemeinsam, treffen uns im Sommer in einem der Gärten, im Winter zu Hause oder in der „Peking-Ente“, wenn wir mehr Personen sind. Dort kann man gut auch mit kleinen Kindern hingehen.

Als ich damals neu hierherkam, war ich erstmal froh, noch keine Arbeit zu haben. Es war ein neues Land, alles war neu. Ich musste mich erstmal zurechtfinden. Aber nach einiger Zeit fiel mir dann die Decke auf den Kopf. Ich hatte in der Ukraine immer gearbeitet, immerhin schon 28 Jahre lang. Also nahm ich einen 1-Euro-Job im benachbarten Kindergarten an. Als der endete, arbeitete ich dort ehrenamtlich weiter. Mehr war nicht möglich, denn ich hatte zwar eine pädagogische Ausbildung, doch diese wurde in Deutschland nicht anerkannt. Und mit 45 Jahren war ich für ein weiteres Studium einfach schon zu alt. Ich erfuhr zufällig von einem Kurs für Altenbetreuung, nahm daran teil und arbeitete dann als Betreuerin in der Tagespflege. Das war sehr schön. Ich war Teil eines guten Teams und sehr zufrieden. Aber am Ende reichte meine Qualifikation nicht aus. Ich durfte manche Arbeiten nicht machen, weil ich keinen Abschluss als Pflegekraft hatte. Also saß ich wieder ohne Arbeit zuhause, das gefiel mir gar nicht.

Während der Corona-Zeit konnte ich dann zwei Jahre Bundesfreiwilligendienst machen, wieder hier im Kindergarten. Danach blieb ich dort. Ich arbeite zum Teil bezahlt, aber sonst ehrenamtlich. Ich habe dem Team vorgeschlagen, dass wir mit unseren Nähmaschinen Kleidung ausbessern. Seit wir das anbieten, kommen Frauen, oft aber auch Jugendliche, hierher und tun dies unter unserer Anleitung. Reparieren statt wegwerfen, das ist weniger teuer und besser für die Umwelt.

Außerdem unterstütze ich Frauen, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, beispielsweise aus Syrien, Indien und dem Jemen. Viele Nationalitäten, viele andere Sprachen. Und viele von ihnen haben nicht lesen und schreiben gelernt, einfach weil sie nicht die Chance dazu bekamen. Deshalb fallen ihnen auch die offiziellen Sprachkurse so schwer. Ich unterstütze sie beim Deutschlernen, aber auch bei Alltags- und Behördendingen, so dass sie sich besser im Alltag zurechtfinden. Für viele ist es zum Beispiel schwierig zu telefonieren, um etwas zu bestellen oder einen Termin beim Arzt zu machen. Dann helfe ich, in Ruhe, ohne Stress. Die Sprache lernen wir in kleinen Gruppen, nur zwei bis drei statt den fünfzehn oder mehr Leuten im Sprachkurs. Das ist viel persönlicher. Die Frauen können einfach Fragen zu Alltagsdingen stellen, zum Beispiel, was die Erzieherin meint, wenn sie sagt: „Bitte bringen Sie eine Matschhose mit.“ Oder was das Kind zum Geburtstag mit in den Kindergarten bringen sollte. Solche Dinge stehen eben nicht in Büchern, da braucht man jemanden, den man fragen kann. Mir selbst ist durch diese Arbeit noch einmal klarer geworden, dass etwas nicht schlecht sein muss, nur weil man es nicht versteht. Sich in einer anderen Kultur zurechtzufinden, würde jedem schwerfallen, wenn er in ein anderes Land käme. Ich selbst war nach meiner Ankunft hier beispielsweise verwundert, dass es in der Kita keine nach Alter getrennten Gruppen gibt. Einer krabbelt, einer fährt Fahrrad. Was ist denn, wenn sie sich verletzen? Aber bis heute ist nie etwas passiert.

Manchmal verbringen die Frauen und ich auch einfach eine schöne Zeit zusammen. Jede bringt einen Beitrag zum Frühstück mit, wir gehen gemeinsam in den IGA-Park oder feiern zusammen. Das hier ist einfach ein Treffpunkt ganz in der Nähe des Kindergartens, der den Frauen Sicherheit gibt.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Kyra, Jahrgang 2003, wohnt seit ihrer Geburt in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich bin in der Turkuer Straße aufgewachsen. Zu meinen ersten Erinnerungen gehören der Spielplatz in der Stockholmer Straße, auf dem wir als Kinder viel Zeit verbrachten und das Stadtteilfest auf dem Boulevard.

Meine Kita-Zeit verbrachte ich im „Sonnenkinderhaus“. Aus dieser Zeit sind mir vor allem der Fasching und die Zeit mit meiner Erzieherin auf dem Hof in Erinnerung geblieben. Diese Erzieherin war für mich so etwas wie eine zweite Mutter. Wir hatten eine ganz enge Bindung.

Später besuchte ich dann die Grundschule „Lütt Matten“ und verbrachte meine Nachmittage im Mehrgenerationenhaus, von der ersten Klasse an. Hier habe ich meine engsten Freundinnen kennengelernt, wir waren jeden Tag zusammen. Annett [Berger, vom INVIA-Team, Anmerkung der Redaktion] hat mir durch viele schwere Zeiten geholfen. Sie ist ein sehr, sehr, sehr guter Mensch mit einem Riesenherzen und ich habe sie unglaublich lieb. Auch Katrin und Manuela waren sehr wichtig für mich und halfen mir, wenn es für mich schwer war. Im Grunde habe ich meine komplette Kindheit und Jugend hier verbracht. Nur als Jugendliche haben wir uns ab und an auch auf dem Sportplatz getroffen.

Außerdem war ich viele Jahre Mitglied des Kinderortsbeirates, das hat mich sehr geprägt, als soziale Erfahrung. Wir haben dort bei der Organisation des Stadtteilfestes geholfen, aber auch regelmäßig gemeinsam den Spielplatz aufgeräumt und dort jeden Mittwoch Kuchen verteilt. Und natürlich auch ab und an mal Blödsinn gemacht, aber nur so harmlose Sachen: die Schaukeln überdreht oder was angemalt.

Mein FSJ habe ich im Pflegeheim hier in Lütten Klein gemacht und dann auch meine Ausbildung als Altenpflegerin. Inzwischen arbeite ich seit sechs Jahren dort und habe dort auch meinen Partner, den Vater meiner Tochter, kennengelernt. Momentan bin ich in Elternzeit, danach gehe ich wieder dorthin zurück.

Alles Wichtige in meinem Leben ist hier in Lütten Klein passiert. Hier bin ich aufgewachsen, das ist mein Stadtteil, den ich kenne wie meine Westentasche. Hier gibt es alles, was man braucht: das Gesundheitszentrum mit den Ärzten, Penny, Edeka, Lidl und Netto zum Einkaufen. Meine Mutter wohnt ebenfalls hier. Auch sie ist schon in Lütten Klein aufgewachsen so wie mein Bruder, meine Schwägerin, meine Nichten und mein Onkel. Wenn ich über den Boulevard gehe, kenne ich viele, das ist ein bisschen wie auf dem Dorf. Ich weiß immer, zu wem ich gehen kann. Und ich möchte hierbleiben, auf jeden Fall.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Tobias Matusall, Jahrgang 1999, wohnt seit 2001 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich wurde in Ostfriesland geboren. Meine Familie hat nach meiner Geburt noch zwei Jahre in Schleswig-Holstein gewohnt, ehe wir dann hierhergezogen sind. Meine ersten Erinnerungen sind die Spielplatznachmittage in der Binzer Straße mit Freunden aus der Nachbarschaft. Wir waren oft gemeinsam unterwegs und sehr oft auf diesem Spielplatz. Dort haben wir dann beispielsweise Verstecken gespielt, erstmal nur im näheren Umkreis. Als wir älter wurden, durften wir dann auch zu anderen Spielplätzen, die weiter entfernt waren. In dieser Zeit fand ich eine richtig gute Freundin, die im gleichen Block wie ich wohnte, zwei Häuser weiter. Wir haben bis heute Kontakt, wenn auch nicht mehr so regelmäßig. Damals zogen wir regelmäßig durch Lütten Klein, fuhren mit dem Fahrrad irgendwo hin. Es gab hier in dieser Zeit nicht so viele Kinder. In unserem Block waren es vielleicht zwei pro Hauseingang, darunter auch ältere, oft sogar schon Jugendliche. Es gab also relativ wenige in meinem Alter. Je älter wir wurden, desto größer war das Gebiet, in dem wir unterwegs waren. Bald durften wir auch über die Warnowallee, um den Spielplatz in der Stockholmer Straße und das Fischerdorf zu erkunden.

Ich besuchte damals die Kita „Lütt Kinnerhus“. Ich erinnere mich vor allem an eine Erzieherin, mit der ich heute noch ab und an in Kontakt bin. Wir schreiben uns immer mal ein paar Nachrichten. Bei ihr habe ich auch meine ersten Praktika gemacht. Als Kind war ich einfach nur fasziniert von ihr, weil sie so viel konnte. Singen, Gitarre spielen, Sport machen. Wir haben wirklich viel unternommen und ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Sie war wohl einer der Gründe, warum ich selbst irgendwann Erzieher werden wollte.

2005 wurde ich eingeschult. Meine Grundschule befand sich noch in dem alten Gebäude, das so ähnlich aussah wie das heutige Förderzentrum. Es stammte noch aus DDR-Zeiten und war so marode, dass es reinregnete. Wenige Jahre später wurde es abgerissen. Als ich in der dritten Klasse war, haben sie das gelbe Haus gebaut und wir zogen in das erste Haus der jetzigen Grundschule „Lütt Matten“ um. Insgesamt habe ich allerdings fast gar keine guten Erinnerungen an meine Grundschule. Die Zeit dort war sehr, sehr negativ belastet. Bald nach meiner Einschulung begann ich, meine Freizeit im Roten Haus zu verbringen. Ich war eigentlich ständig hier. Ich hatte zwar einen Hortplatz, aber schon bald wollte ich dort nicht mehr hin, lieber hierher. Ich habe hier meine Zeit verbracht und Annett (Anm. d. Red.: Annett Berger, Mitarbeiterin des Mehrgenerationenhauses INVIA) hat mich schon relativ früh in den Kinderortsbeirat geholt. Da hatte ich dann eine feste Aufgabe. Ich fand gut, dass wir wirklich mitentscheiden durften, wie der Spielplatz in der Stockholmer Straße zukünftig aussehen sollte. Damals hatten wir beispielsweise Besuch vom Amt für Stadtgrün, fuhren aber auch in die Verwaltung und sogar ins Rathaus, um uns mit dem Oberbürgermeister zu treffen. Als wir mit dem Bus zu einem der Treffen fuhren, nahm ich mir extra Heft und Kugelschreiber mit, weil ich auch ganz cool sein und mir Dinge aufschreiben wollte. Leider fiel mir das Heft während der Busfahrt aus dem Fenster und dann konnte ich mir am Ende gar nichts mitschreiben. Ja, das war traurig. Aber ansonsten fand ich toll, dass damals, ich muss sieben oder acht gewesen sein, schon beachtet wurde, was wir haben wollten. Dass wir da mitreden durften, steht auch auf einem Schild auf dem Spielplatz. Bei der Eröffnung waren wir auch dabei. Die Spielplatzpatenschaft, die danach begann, war uns dann auch wichtig. Wir fuhren gemeinsam mit Annett regelmäßig auf den Platz, sammelten dort Müll und räumten auch auf.

Als 2013 meine beiden Schwestern auszogen, wurde die 4-Raum-Wohnung zu groß, in der wir bis dahin gelebt hatten. Wir zogen nach Groß Klein, auch weil es dort eine Wohnküche gab, wie meine Mutter sie sich wünschte. Ich bekam zwar ein großes Zimmer, aber meine Freunde waren hier und meine Freizeit habe ich trotzdem immer nur hier verbracht. Meinen Mittlere-Reife-Abschluss habe ich in Lichtenhagen gemacht, weil meine beiden Eltern und Geschwister da auch schon zur Schule gegangen waren und ich blieb über all die Zeit hier im Roten Haus. Natürlich merkten wir irgendwann, dass wir eigentlich schon zu alt waren, um hier im Jugendtreff zu sein. Dann haben wir uns als Kumpels, zu viert, einen Garten gepachtet. 2018 ergab sich die Gelegenheit. Inzwischen sind wir nur noch zu dritt, das ist aber auch nicht schlimm. Mit dem Vorstand des Gartenvereins lief es von Beginn an relativ gut, aber die Leute aus den anderen Gärten haben uns ganz schön böse angeschaut, als wir damals anfingen. Wir waren hier die einzigen Jungen. Wir haben dann gezeigt, was wir können und was wir wollen und allmählich verstanden wir uns mit den Gartennachbarn ganz gut. Wir haben auch vielen unsere Hilfe angeboten. Das machen wir immer noch, gerade weil die ältere Generation oft doch nicht mehr so kann. Wir haben in anderen Gärten geholfen, aber auch mal jemanden mit in die Stadt genommen. Im Gegenzug bekamen wir auch mal Pflanzen, beispielsweise Tomaten zum Anziehen. Wir sind auch immer greifbar für den Verein. Wenn irgendwas gemacht werden muss, an den Wochenenden oder zu Arbeitseinsätzen, melden wir uns. Insgesamt sind wir viel in diesem Garten, aber trotzdem ist das Rote Haus immer eine wichtige Anlaufstelle geblieben. Man wusste, wo man hinkommen kann, egal was man hat, familiär, aber auch andere Dinge. Ehrenamtlich haben wir hier auch immer noch viel gemacht.

Dann habe ich meine Ausbildung zum Erzieher gemacht. Da es eine schulische Ausbildung war, musste ich dafür BAFöG beantragen. Das sorgte zuhause für ziemliche Reibereien, weil ich zwar schon arbeitete, aber dafür noch kein Geld bekam. Die Schule kostete Geld und man möchte trotzdem irgendwie am Leben teilhaben. Aber am Ende habe ich das ganz gut hinbekommen. Einen Job hatte ich schon sicher, ehe ich die Ausbildung überhaupt begann: In der Kita, in der ich selber Kindergartenkind war. Ich machte dann dort mein Prüfungspraktikum, unterschrieb eine Woche später meinen Arbeitsvertrag und arbeitete dann sechs Jahre dort. Im Oktober 2024 wurde mir dann die Stelle hier im Kinder- und Jugendtreff vom Roten Haus angeboten. Seitdem bin ich hier und bereue keine einzige Sekunde, mich für diese Arbeit entschieden zu haben. Ist ein verdammt tolles und vor allem professionelles Team, egal wie stressig das hier im Haus manchmal ist. Alle sind auf Augenhöhe miteinander. Außerdem merkt man, dass es ein Mehrgenerationenhaus ist. So kommen auch bei uns im Jugendtreff immer mal Senioren vorbei, die eine Frage haben, etwas brauchen. In so einem Moment sind dann auch wir die Berater, obwohl das überhaupt eigentlich gar nicht unsere Hauptaufgabe ist. Ich mag die Menschen, die zu uns ins Haus kommen. Wir haben hier in Lütten Klein auch das Glück, dass die Kinder hier sehr, sehr, sehr, sehr dankbar sind. Auf unsere Großen kann man sich unglaublich gut verlassen. Wenn es irgendwo mal brennt, packen die mit an.

Als ich 2019 mit meiner Ausbildung fertig war, bekam ich gleich meine eigene Wohnung, hier in der Osloer Straße. Dort habe ich dann bis März 2024 gewohnt. Danach zogen meine Freundin und ich, ziemlich spontan übrigens, nach Nienhagen. Das waren erstmal Welten, also zwischen dem kleinen Ostseebad und hier. Nienhagen ist ein schöner, ruhiger, kleiner Ort. Es liegt direkt an der Ostsee, auch wenn man das leider viel zu wenig nutzt. Aber am Ende gab es einige Schwierigkeiten mit der Wohnung und irgendwie hat mir Lütten Klein gefehlt. Außerdem musste ich immer darüber nachdenken, wie ich am Wochenende nach Hause komme, die Busverbindung am Samstag und Sonntag ist echt blöd. Und alle meine Freunde waren hier, in Lütten Klein. Ich fühlte mich irgendwie zu abgeschnitten. Also sind wir dieses Jahr zurück nach Lütten Klein gezogen, in eine neu modernisierte Vierraumwohnung im Haus meiner besten Freundin. Das ist jetzt das kleine Highlight. Meine beste Freundin hat eine Tochter, um die wir uns ab und an kümmern, damit sie sich mal ausruhen kann.

Was jetzt noch fehlt, ist das „18107“ auf meinem Bein. Ich möchte mich gerne tätowieren lassen, und damit ein Statement setzen, für meinen Stadtteil. Ich kann mir mein Leben ohne Lütten Klein gar nicht vorstellen. Sehr viele Leute mögen eher die Innenstadt, das geht mir nicht so: Ich mag mein Lütten Klein. Ich habe hier alles, was ich möchte. Ich habe Bus, Bahn, S-Bahn, Einkaufsläden ohne Ende. Wir haben hier viele Supermärkte und das große EDEKA-Center, da kriegt man vom Schlüpper bis Käse alles. Alle Ärzte hat man hier auch und mehrere Grund- und Regionalschulen. Das Einzige, was Lütten Klein fehlt, ist eine weiterführende Schule. Derzeit gibt es nur das Erasmus-Gymnasium. Also warum sollte ich hier weg?


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

N. N., Jg. 1995, wuchs in Lütten Klein auf

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich bin 1995 in Lütten Klein geboren und habe hier gewohnt, bis ich mit 21 von zu Hause auszog. Ich erinnere mich noch, dass wir immer viel vor der Tür gespielt haben. Damals gab es da, wo heute die Seniorenresidenz steht, noch einen Spielplatz und eine große Wiese. Da haben meine Schwester und ich viel gespielt, weil wir direkt nebenan wohnten. Meine Eltern konnten aus dem Küchenfenster gucken, was wir da eigentlich machen. Um die Wiese herum wuchsen viele Büsche und Bäume, auf deren Ästen wir wunderbar herumklettern konnten. Wir spielten damals oft ein Spiel, bei dem es darum ging, nicht herunterzufallen. Außerdem gab es einen kleinen Berg mit einer Rutsche, da sind wir runtergerodelt, wenn es mal schneite. Der Berg war eigentlich superklein, aber als Kind hat es gereicht.

Meine kleine Schwester und ich waren eigentlich immer sehr artig. Aber einmal wurden wir von sechs Jungen mit Esskastanien bespuckt. Ich weiß noch, dass meine Mutter sehr wütend war, weil wir von oben bis unten bespuckt waren und natürlich geheult haben. Als meine Schwester und ich eine Woche später wieder rausgingen, kam einer dieser Jungs und wollte sich bei uns entschuldigen. Meine Schwester war noch ganz klein und verstand das nicht. Sie nahm eine Handvoll Kieselsteine und warf sie dem Jungen ins Gesicht. Danach bin ich nicht mehr so oft rausgegangen, weil ich ihm gern aus dem Weg gehen wollte.

Ich weiß, dass die Jugendgruppe sich dann ein Geheimversteck gebaut hat. Das fanden wir so schön, dass wir uns auch eins bauten. Wenn die Wiese nicht gemäht wurde, sind dort überall die Grashüpfer rumgesprungen. Mit meiner besten Freundin habe ich die immer gesammelt, das fanden wir cool.

Ich bin hier in Lütten Klein in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Ich wurde noch in den Altbau von „Lütt Matten“ eingeschult, der Neubau kam erst nach dem Ende meiner Schulzeit. Den schlechten Zustand des alten Gebäudes habe ich als Kind gar nicht so wahrgenommen, nur die Toiletten fand ich damals schon sehr eklig. Als ich meine Ausbildung als Erzieherin begann, war ich wieder hier. Da war das Haus dann schon so marode, dass einem die Fenster entgegenfielen und es reinregnete. Wenn es eine Sturmwarnung gab, hatten wir früher Schluss, weil man nicht sicher sein konnte, dass wir nicht von den Fenstern erschlagen werden. Damals wohnte ich noch in Lütten Klein, weil ich in der Ausbildung noch kein Geld verdiente und weiter bei meinen Eltern leben konnte.

Als Jugendliche war ich nicht besonders aktiv, habe viel auf dem Bett gesessen und gelesen. Aber das Kino hier war immer sehr schön. Außerdem hatte ich hier viele Freunde, die ich schon seit der Kindergartenzeit kannte. Alle wohnten ganz in der Nähe und wir trafen uns oft, häufig auf der Wiese meiner Kindheit. Deshalb war es sehr schade, dass sie bebaut wurde. Damit war unsere gemeinsame Zeit dort vorbei.

Nach dem Ende meiner Ausbildung zog ich dann nicht weit weg nach Evershagen. Meine Eltern wohnen noch hier, meine Schwiegermutter und meine Oma auch. Mein großer Sohn geht in Lütten Klein in den Kindergarten, mein kleiner Sohn auch bald. Wir sind also noch oft hier, wegen der Menschen, die hier noch wohnen, aber auch um ins Kino zu gehen, einzukaufen oder gut essen zu gehen.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Anne-Marie, Jahrgang 1992, ist in Lütten Klein aufgewachsen

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich wohne seit meiner Geburt in Lütten Klein, die ersten Lebensjahre lebten wir in der Ahlbecker Straße. Ich war damals viel mit meiner Oma im Stadtteil unterwegs, Lütten Klein fühlt sich für mich nach Heimat und Kindheit an. Zwischenzeitlich habe ich mal für kurze Zeit in Evershagen gewohnt. Ich zog dann aber wieder zurück, weil ich mich nach den vertrauten Straßen zurücksehnte: Hier kenne ich alles und weiß genau, wo was zu finden ist. Außerdem ist Lütten Klein ein sehr, sehr ruhiger Stadtteil, an allen Wochentagen. In meiner Kindheit war es hier natürlich noch stiller, weil noch weniger los war. Damals fehlte die Straßenbahn, und der Platz rund um die Mehrzweckhalle war noch unbebaut.

Der Spielplatz meiner Kindheit lag dort, wo heute der Pusteblumenbrunnen steht. Damals gefiel mir dieser Platz sogar noch besser. Der Rodelberg in Richtung Lichtenhagen war bei uns Kindern damals auch sehr beliebt, vor allem natürlich im Winter, der damals aber irgendwie mehr Schnee zu bieten hatte. In dieser Zeit trafen wir uns dort oft mit Freunden.

Meine Grundschulzeit verbrachte ich in der Grundschule Nord. Sie war damals noch vollkommen unrenoviert (der Neubau folgte erst nach dem Ende meiner Grundschulzeit), trotzdem hatte diese Schule irgendwie Charakter und meine Schulzeit dort war schön. Ich erinnere mich noch an den Namenswechsel zu „Lütt Matten“, kurz bevor ich zur weiterführenden Schule wechselte. In meiner Grundschulzeit gab es in dem Gebäude auch noch die Arche. Sie war kein klassischer Hort, aber es gab dort viele Nachmittagsangebote und Ferienprogramm. Ich fand die Arche wundervoll. Wir haben dort so viel gemacht: Wir bastelten Dinge, passend zur Jahreszeit, gingen raus in die Natur, sammelten Brennnesseln und kochten daraus Tee - das sind auch ganz tolle Erinnerungen. Ich sehe die Frau, die dort als Erzieherin war, immer mal auf den Straßen von Lütten Klein. Inzwischen ist sie mit dem Rollator unterwegs.

Meine Söhne gehen in die Kita „Lütt Kinnerhus“ in der Usedomer Straße, die ich als Kind auch besucht habe. Mein Großer ist sogar bei meiner alten Erzieherin. Das ist echt besonders. Es gibt dort noch viele Gesichter, die ich von früher kenne. Das ist dann immer schön. Da komme ich rein und das Haus riecht immer noch so wie damals.

Meine weiterführende Schule war die Hundertwasser-Gesamtschule in Lichtenhagen. In meiner ersten Zeit dort, in der fünften und sechsten Klasse, war ich noch sehr kindlich, das war anders als heute. Ich unternahm in dieser Zeit viel mit den Freunden aus der Nachbarschaft: Wir fuhren mit dem Fahrrad durch den Stadtteil, saßen im Sommer mit einer Decke auf der Wiese und solche Dinge. Wenn wir in der Schule hitzefrei hatten, ging es gleich mit dem Fahrrad weiter an den Strand. Damals wohnte ich schon in der Rügener Straße.

Als Jugendliche war ich dann nachmittags oft im IN VIA-Mädchentreff in der Stockholmer Straße. Auch mit diesem Ort verbinde ich sehr schöne Erinnerungen. Die Mädels dort waren nicht alle meine Mitschülerinnen oder Freundinnen, man kam dort auch mit anderen zusammen und wir haben auch in den Ferien viel gemeinsam unternommen. Der Ort hatte echt Charme. Einmal hat es dort gebrannt. Danach zogen wir in die Post in der Ahlbecker Straße und alles wurde umorganisiert.

Als ich letztes Jahr bei der Nikolausaktion des Mehrgenerationenhauses einen Nikolausstiefel dort abgegeben habe, hat mich die IN VIA-Mitarbeiterin von damals noch wiedererkannt.

Was mir zu meiner Jugendzeit noch einfällt: Es gab damals das „Fun“, eine Diskothek, oben im Edeka Center. Da war ich auch gerne, zumal ich nach der Disko problemlos zu Fuß nach Hause gehen konnte. Inzwischen existiert es leider nicht mehr.

Nach meiner Ausbildung zog ich mit meinem jetzigen Mann nach Evershagen. Aber als wir anfingen, über eine Familiengründung nachzudenken und eine größere Wohnung suchten, zog es uns wieder nach Lütten Klein, auch weil meine Mama in der Nähe wohnt. Meine Mutter war es dann auch, die eines Tages einen großen Berg Sperrmüll vor einem der Häuser entdeckte. Sie gab mir den Tipp, mal beim Vermieter nachzufragen, ob da jemand auszieht. „Ja, da ist jemand ausgezogen“, hieß es dann, „Die Wohnung wird jetzt komplett saniert. Aber danach können Sie einziehen.“

Eigentlich hatten wir immer die Idee, ein eigenes Haus auf dem Lande zu bauen, aber aktuell sind die Kosten unglaublich hoch. Wir können uns vorstellen, hier wohnen zu bleiben, wenn sich ein Weg findet, unsere Wohnung mit der danebenliegenden zu verbinden. Im Prinzip hat man hier alles, ohne dass man ins Auto steigen muss: Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Friseur, Kindergärten, eine Bibliothek. Und unsere Arbeitsorte sind gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Das ist schon ein Vorteil gegenüber dem Landleben, zumal wenn die Kinder dann größer werden.

Ich bin Sozialpädagogin und deshalb beruflich und privat gleichermaßen wenig voreingenommen. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich an Lütten Klein das Zusammenleben ganz verschiedener sozialer Schichten so schätze. Ich wohne in der Rügener Straße und unter meinen Nachbarn finden sich Klienten, aber auch ehemalige Erzieher, Ingenieure, Lehrerinnen, Mitarbeiter aus dem Jugendamt und so weiter. Außerdem ist Lütten Klein dafür bekannt, dass hier viele Familien wohnen, das führt zu einem besonderen Miteinander von Jung und Alt, das ich sehr mag.

Ich habe mich hier im Stadtteil nie unsicher gefühlt. Umso erschreckender finde ich es, wenn ich, beispielsweise im Rückbildungskurs, Sätze höre wie „Man traut sich hier abends nicht mehr auf die Straße.“ Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich fühle mich hier sicher, bin noch nie angepöbelt oder angemacht worden. Ich kann mich überhaupt nicht beklagen.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Ingo, Jahrgang 1966, wohnt seit 1975 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich bin im Dezember 1975 mit meinen Eltern in die Binzer Straße gezogen. Damals war ich neun Jahre alt. Als Kind bin ich gern ins Kino gegangen, das sich im sogenannten Polenblock befand, also in der Warnowallee. Da lief alles: Kinder- und Erwachsenenfilme gleichermaßen. Dieses Kino gab es bis 1990, danach zog dort ein Rossmann ein, inzwischen ist dort ein Pizzaladen. Und nun haben wir das Kino auf dem Boulevard, da gehe ich aber nicht hin. Ich habe damals zugesehen, wie die ganze Warnowpark-Passage gebaut wurde, das ging rasend schnell. Erst war das alles Rasen, aber nach der Wende kam dann der Boulevard mit all den neuen Gebäuden. Ich selbst bin vor dreißig Jahren in die Danziger Straße umgezogen. Ich möchte in Lütten Klein bleiben. Mit dem Mittagessen im Roten Haus ist das auch immer ganz schön.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Marlis, Jahrgang 1945, wohnt seit 1989 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Bevor wir hierherzogen, hatten wir erst eine Wohnung in der Lübecker Straße, danach, ab 1978, eine Wohnung bei der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) in Schmarl. Die AWG-Genossenschaftsanteile konnten wir einzahlen, statt Aufbaustunden zu leisten, weil mein Mann als Tischler gut verdiente. Ich selbst habe erst im VEG Bandelstorf (Anm. Red. VEG= volkseigenes Gut) gearbeitet, das war mein erster Arbeitgeber. Dort war ich Vorsitzende der Frauenkommission, so ein Engagement gehörte damals irgendwie dazu. Nachdem ich später zur LPG Elmenhorst gewechselt war, machte ich verschiedene Schulungen und wurde dann auch wieder Mitglied der Frauenkommission. Da waren wir immer am Ball, haben gehört, was notwendig ist. Man ist dadurch ja nicht dümmer geworden. Das habe ich für unsere Frauen gemacht, habe immer versucht, anderen zu helfen, immer geschaut, was machbar ist. Natürlich hat es nicht immer geklappt. Später war ich bei der LPG Elmenhorst auch im Vorstand, habe dort für unsere Mitglieder mit den Wohnungsgenossenschaften verhandelt und immer wieder auch Wohnungstausche organisiert. 1989 tat ich das dann auch für uns selbst, im LPG-Büro, das damals am Ende von Lütten Klein lag. Dort arbeitete ich und wollte unbedingt in diesen Stadtteil ziehen, damit mein Arbeitsweg kürzer wird. Mein Mann dagegen wollte überhaupt nicht nach Lütten Klein. Es gefiel ihm erst nicht, er empfand es als Schlafstadt. „Was wollen wir da?“, hat er mich immer gefragt. Als wir dann in unsere Wohnung in der Osloer Straße einzogen, kam meine Verwandtschaft mit zwei Autos aus Brandenburg angereist, um zu helfen. Mein Mann kam erst abends, hat nicht mit angefasst, weil er so partout gegen diesen Umzug war. Später hat er sich dann aber gut hier eingelebt. Eigentlich ging es bei uns beiden ganz schnell, wir haben erstmal alles durchforstet, herausgefunden, wo es hier was gibt und was man braucht. Damals gab es den Boulevard noch nicht, aber mehrere Kaufhallen und das große Magnetkaufhaus. Und für mehr Einkauf hatte ich gar keine Zeit: In der Woche arbeitete ich von morgens bis abends, am Wochenende stand der Haushalt an und später auch der Garten, den wir nach unserem Umzug kauften.

Meine Tochter war damals schon fast mit der Schule fertig, also blieb sie bis zum Abschluss auf ihrer alten Schule in Schmarl. Aber auch mein Sohn, damals in der neunten oder zehnten Klasse, wollte nicht wechseln. Also lief er jeden Tag von der Osloer Straße aus rüber nach Schmarl.

Dort, in der alten Wohnung, hatten wir eine richtig gute Hausgemeinschaft. Das war in Lütten Klein anders, hier kam ich als Neuling dazu, aber eigentlich habe ich dann nichts vermisst. Als wir damals einzogen, lebten hier viele, die älter waren als wir. Inzwischen bin ich fast die Älteste in unserem Aufgang. Die Mieter kommen und gehen, wohl auch, weil hier viele Studenten wohnen. Manche Wechsel bekommt man gar nicht so recht mit. Ich stehe auch nicht den ganzen Tag am Fenster oder an der Tür, aber ich bin auch Annahmestelle für Pakete. Wenn dann die neuen Leute zum Abholen kommen, dann sage ich: „Ach das sind Sie! Wie nett, dass ich Sie mal kennenlerne.“ Und die sind froh, dass jemand ihre Pakete annimmt. Es gibt hier keine richtigen Poststellen mehr. Die Paketzusteller kennen mich schon vom Sehen, klingeln meistens ohnehin bei mir und sind froh, dass sie nicht bis nach oben laufen müssen.

Vor einigen Jahren wohnte in der Wohnung unter mir eine armenische Familie, mit der ich eigentlich gut auskam. Wir tranken immer mal zusammen Kaffee. Aber dann zogen sie zu ihren Kindern nach Spanien, ohne sich abzumelden. Das fiel erst auf, als ich die WIRO darauf aufmerksam machte. Als dann klar war, dass die Wohnung frei ist, habe ich sofort an die WIRO geschrieben, dass ich die Wohnung haben möchte.

Meine ganze Sippe fragt mich immer wieder, warum ich nicht zurückkomme. Aber mein Mann ist nun schon 27 Jahre tot und ich bin ein bisschen Ruhe gewohnt. Wir sind eine große Familie mit viel Zusammenhalt. Da wäre ich jeden Tag in der Woche irgendwo zu Besuch und so viel Trubel muss ich nicht haben. Hier kann ich die Tür abschließen und es kommt keiner, wenn ich keinen sehen will. Außerdem habe ich hier gleich mehrere Funktionen. Ich bin im Seniorenbeirat Lütten Klein und Vorstandsvorsitzende des Vereins Elements e.V., der jetzt in Bad Doberan sitzt. Und dann gibt es da noch das Info-Büro 60+, die Stadtteilsprechstunde in Lütten Klein. Und ich mache immer noch Kaffeekränzchen für ein paar Leutchen vom Waldemarhof e.V., alle 14 Tage treffen wir uns. Dahin fahre ich auch immer mal mit der Straßenbahn. Wenn ich irgendwann nicht mehr Auto fahren darf oder kann oder will, dann ist es gut, wenn ich das vorher ein bisschen geübt habe. Ich bleibe in Lütten Klein bis zum Schluss, denn ich bin ziemlich gern hier, auch weil ich alle Einkaufsmöglichkeiten und das GDZ (Anmerkung der Redaktion: das Gesundheits- und Dienstleistungszentrum in der Trelleborger Straße) habe – dadurch sind alle Ärzte vor Ort.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Carolin Roth, Jg. 1986, ist in Lütten Klein aufgewachsen und engagiert sich schon viele Jahre für ihren Stadtteil

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich wohne seit meiner Geburt in Lütten Klein. Zuerst haben meine Mutti und ich in der Warnowallee gewohnt, später zogen wir in die Nachbarschaft meiner Omi, in die Helsinkier Straße. Meine Mutti war Krankenschwester und arbeitete im Schichtdienst, deshalb ging ich nach dem Kindergarten oder nach der Schule oft zu meiner Omi.

Meine Omi war ein sehr sozialer Mensch. Wir kannten alle Nachbarn, im Haus, aber auch viele in der weiteren Nachbarschaft. Das war für mich als Kind das Schönste überhaupt. Wenn ich mal Langeweile hatte, überlegte ich, bei wem ich einfach mal klingeln konnte und tat das dann auch, ganz spontan. Es gab damals in unserem Umfeld auch deutlich mehr Kinder als heute. Wir waren immer ungefähr dreißig Kinder, die miteinander spielten. Alle kannten sich, es gab einen ausgeprägten Gemeinschaftsgeist, noch bis Ende der 1990er Jahre. In den 2000ern veränderte sich das. Meine Mutter erzählt oft, dass sich schon während meiner Kindergartenzeit immer mehr durchsetzte, dass jedes Kind für sich allein spielen sollte und ich große Probleme mit dieser Umstellung hatte. Ich verstand nicht, warum vorher alle zusammen spielten und Dinge teilten und nun das Prinzip „Der Stärkere gewinnt“ gelten sollte.

Mein Kindergarten war in der Stockholmer Straße, dort, wo jetzt der Spielplatz ist. Meine damalige Schulfreundin wohnte dort, also holten wir sie auf dem Weg zur Kita oft ab. In meinen ersten Schulmonaten gingen die Eltern noch in einem gewissen Abstand hinter den Schulanfängern her und unterhielten sich dabei miteinander. Aber irgendwann, hieß es dann eben: „Kommt, jetzt könnt ihr das allein.“ Wir gingen dann aber immer zu zweit oder sogar zu viert, da alle in der gleichen Gegend wohnten.

Meine Grundschule wurde Anfang der 2000er Jahre abgerissen. Ich weiß noch, dass wir vier Grundschulklassen waren und der Platz in der Schule nicht ausreichte. Deshalb wurden zwei Klassen in der Realschule untergebracht, während die anderen beiden in der Grundschule blieben. In der dritten und vierten Klasse ging ich deswegen in das Gebäude der Haupt- und Realschule hinter dem Erasmus-Gymnasium, da ist jetzt ein Feld. Eigentlich lagen all die Gebäude nah beieinander, aber für mich als Kind war das ein gewaltiger Unterschied. Ab der 5. Klasse ging ich dann aufs Erasmus-Gymnasium, damit begann eine schwere Zeit für mich, ich fühlte mich an der Schule sehr unwohl. Das war der Grund, weshalb ich nach der 11. Klasse auf eigenen Wunsch ans Gymnasium Reutershagen wechselte. Dort erlebte ich dann eine fantastische Zeit. Ich wünschte, ich hätte das früher gemacht. Tolle Lehrer, tolle Mitschüler. Zu einigen habe ich bis heute Kontakt.

Als Jugendliche waren meine Freundin und ich oft im Fischerdorf. Dort lagen wir auf einer Decke, hörten Musik und erzählten. Oder wir waren bei einer von uns zuhause, wir wohnten schließlich im gleichen Hauseingang, nur zwei Wohnungen voneinander entfernt. Damals gab es noch keine Smartphones, also haben wir uns ein eigenes Telefon aus Dosen gebastelt, das funktionierte sogar.

Ich hatte damals auch einen Hund, Nixe. Mit ihr ging ich viel spazieren, durch die Nachbarschaft, auf die Felder oder abends durch das Fischerdorf. Die Fischerhäuser kenne ich aber nur aus meiner Kindheit. Als ich Jugendliche war, waren die schon lange abgebrannt. Durch die Spaziergänge mit meinem Hund habe ich sehr viele nette Leute kennengelernt, das hat mich noch mehr in Lütten Klein verwurzelt.

Außerdem waren wir im Sommer oft am Strand, der ganz in der Nähe liegt oder in der Innenstadt zum Bummeln. Damals war das Pressezentrum ein Highlight für uns, es befand sich noch im Rostocker Hof auf mehreren Etagen. Dort konnte man CDs sammeln, Musik hören und sich über Musik austauschen. Außerdem war ich viel auf Konzerten, mitunter einmal pro Woche, ich bin ein großer Musikfan.

Nach dem Abitur studierte ich an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Nach dem Studium kam ich wieder zurück nach Rostock, studierte dann aber noch einmal in Seoul in Südkorea. Ich lernte schon früh meinen jetzigen Mann kennen, der Rostock liebt und sehr heimatverbunden ist. Er wohnt auch sehr gern in Lütten Klein, vor allem wegen des Kinos. Zuerst haben wir in der Innenstadt gewohnt, aber dann brauchte meine Omi mehr Hilfe. Meine Mutti und wir teilten uns die Betreuung. Aus diesem Grund zogen wir zurück nach Lütten Klein. Leider ist meine Omi vor ein paar Jahren gestorben, aber meine Mutter, meine Schwiegereltern sowie Onkel und Tanten wohnen in unserer Nähe. So können wir uns alle auch gegenseitig unterstützen, falls etwas sein sollte. Ich mag das sehr gerne, wenn die Familie so zusammenhält. So bin ich auch erzogen. Ich wohne sehr gern in Lütten Klein. Selbst wenn ich deutlich mehr verdienen würde, würde ich in Lütten Klein wohnen bleiben. Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden und den Stadtteil lieben gelernt.

Lütten Klein ist mit Straßenbahn und S-Bahn wirklich sehr gut angebunden. Selbst mit dem Fahrrad ist man in zehn Minuten am Strand. Der Stadtteil ist grün und wir sind sehr gern im Fischerdorf oder laufen nach Schmarl, runter ans Warnowufer.

Natürlich gibt es hier ein paar Plätze, die ein bisschen vermüllt sind, aber insgesamt finde ich Lütten Klein sehr vorzeigbar, beispielsweise verglichen mit der KTV. Lütten Klein ist definitiv besser als sein Ruf. Zu DDR-Zeiten wollten alle in die Neubaugebiete ziehen, da war der Altbau die schlechtere Wohngegend. Meine Mutti war begeistert davon, dass dort damals Menschen aller Berufsgruppen wohnten, unabhängig vom Status. Da gab es keine wahrgenommene Segregation oder etwas vergleichbares. Erst nach der Wende waren immer mehr Leute der Meinung, dass Plattenbauten für die sozial Benachteiligten bestimmt seien, die Innenstadt für die Reichen. Irgendwann kam dann sogar das Gerede vom „Ghetto“ auf, auch in meiner Generation wurden die Randgebiete von Außenstehenden so bezeichnet. Das ist so ein Unsinn, aber das hält sich leider bis heute. Viele aus der Innenstadt waren noch nie hier. Die, die den Weg zu uns finden, sind dann überrascht, wie grün und gepflegt es hier ist.

Diese Situation ist einer der Gründe, warum ich mich im Lütten Kleiner Ortsbeirat engagiere. Anlass war eigentlich mein Anliegen, den Gehweg in der Helsinkier Straße zu sanieren. Meine Omi hatte damals starke Probleme, mit dem Rollator dort entlangzugehen. Diese Sanierung ist bis heute mein Herzensprojekt. Sie ist ein komplexes Vorhaben, weil so viele Akteure (Wohnungsgenossenschaften, Tiefbauamt) daran beteiligt sind und keiner den ersten Schritt machen möchte oder kann. Man braucht einen langen Atem und muss an der Sache dranbleiben. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich nicht nur ältere Leute mit Rollatoren, sondern auch Leute mit Kinderwagen oder Menschen, die mit dem Stock oder Rollstuhl unterwegs sind. Ich finde es wichtig, dass man sie nicht in ihrer Lebensqualität einschränkt.

Inzwischen gibt es auch in Lütten Klein die großen Aufräumaktionen von „Rostock Müllfrei“. Ergänzend dazu machen wir von der AG Nordwest monatliche Reinigungsaktionen. Da stoßen dann auch gerne Menschen aus dem Stadtteil dazu, die man noch gar nicht kennt. Sie stört der viele Müll an einigen Orten, vor allem auf den Parkplätzen könnte man eigentlich jede Woche aufräumen. Natürlich ist es in anderen Stadtteilen oder Städten deutlich schlimmer, aber ich finde, wir können selbst dafür sorgen, dass es schön bei uns bleibt. Gleichzeitig gibt es inzwischen bei vielen eine Haltung im Sinne von: „Wieso soll ich anderer Leute Dreck wegmachen?“ Aber wenn jeder so denkt, dann passiert gar nichts. Du kannst nur proaktiv die Welt verändern, nicht passiv. Deshalb ist uns die AG Nordwest so wichtig. In der Bürgerschaft wird viel über die Innenstadtgebiete und Warnemünde gesprochen, die Randgebiete gehen dabei gefühlt unter. Gleichzeitig wohnen dort die meisten Menschen in Rostock. Ich möchte mich für meine Heimat, meine Nachbarschaft einsetzen. Lütten Klein hat das auch verdient. Dank der engagierten Initiative unseres Stadtteilbegegnungszentrums IN VIA habe ich so viele liebe Leute kennengelernt, die sich auch so auf vielfältige Art und Weise engagieren – das braucht mehr Sichtbarkeit. Deswegen möchte ich auch bei der Stadtteilzeitung helfen, weil ich es wichtig finde, sich für die Nachbarschaft einzusetzen. Veränderungen gehen immer im Kleinen los. Man muss positiv in die Welt schauen und Teil der Veränderung sein, sonst passiert nichts.

Ich kenne in Lütten Klein noch viele Leute von früher. Sie leben hier, seit ich denken kann. Ich sehe auch öfter mal Schulkamerad*innen aus anderen Klassen oder anderen Schulen. Die Freundinnen aus meiner Schulzeit sind für die Ausbildung weggegangen, die kommen jetzt alle zurück. Aber viele wohnen im Umland, weil es in Rostock wenig freie Wohnungen gibt.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Hans-Jürgen und Margitta Donner, wohnen seit 1979 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Als wir Ende September 1979 mit unseren drei Kindern nach Lütten Klein zogen, begann für uns ein neuer Lebensabschnitt. Die Wohnung hatten wir über einen Tausch bekommen. Für uns als junge Familie war das Wohngebiet ideal: Es gab Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und kurze Wege – Lütten Klein hatte einfach alles, was man aus unserer Sicht brauchte. Dazu gehörte auch die Mehrzweckhalle und darin das „Riga“ als Treffpunkt für das gesellschaftliche Leben. Sie war Schülerspeisung, Gaststätte und Veranstaltungsort zugleich. Die Kaufhalle war nicht weit von der Wohnung entfernt, so dass man den Einkauf zu Fuß erledigen konnte. Ebenfalls in direkter Nähe lag das Dienstleistungszentrum, mit Post, Friseur, Reparaturstützpunkt, Fotograf und vielen weiteren Angeboten. Die Schulkomplexe mit den POS und EOS, die Kindergartenkombis und die Sporthalle mit Sportplätzen waren für die Kinder sicher und schnell erreichbar. Ein funktionierender Nahverkehr und die „Allende- Poliklinik“ trugen zur Lebensqualität bei. Man konnte auch im „Magnet“ einkaufen und ins Kino gehen - so musste man nur selten die Fahrt ins Stadtzentrum antreten.

Die Wege zur Arbeit und zur Kinderbetreuung waren für mich, Margitta, kurz. Die Kombi 10 bzw. die Kita „Kopenhagener Straße“ konnte man gut zu Fuß oder mit dem Rad erreichen. Nach der Wende war die Kita „Usedomer Straße“ meine neue Arbeitsstätte. Sie befand sich gegenüber unserer Wohnung.

Bis heute schätzen wir besonders die Ruhe und das viele Grün im Stadtteil. Wenn man morgens von Vogelgezwitscher geweckt wird, fühlt man sich nah an der Natur. Unsere Kinder, insbesondere unser Sohn, sagen immer wieder: „Ihr wisst gar nicht, wie schön ihr es habt.“ Schön sind auch die großzügigen Abstände zwischen den Häusern. Der Stadtteil sieht in vielen Ecken gepflegt aus, hat aber auch einige versteckte Schmuddelecken. Ein weiteres, großes Ärgernis ist der Zustand der Geh- und Radwege.

Ich, Hans-Jürgen, stamme, ursprünglich aus der Nähe von Demmin. Als siebtes von zehn Kindern einer Flüchtlingsfamilie musste ich schon früh Verantwortung übernehmen – bereits als 14jähriger, Mitte der 1960er Jahre. Es war nicht einfach, die Schule und die Unterstützung zuhause unter einen Hut zu bringen: Haus, Hof und Garten, die Versorgung der Tiere. Trotz gesundheitlicher Probleme schaffte ich die 10. Klasse mit guten Zensuren. Die zweijährige Lehrausbildung absolvierte ich im weit entfernten Erzgebirge – das war eine prägende und wichtige Zeit. Danach arbeitete ich dann auf der Warnowwerft Rostock, durfte aber auch nochmal studieren: ein Ökonomiestudium an der Uni Rostock, das ich als Diplomingenieur abschloss.

Meine soziale Herkunft motivierte mich zu viel gesellschaftlichem und ehrenamtlichem Engagement – unter anderem im Wohngebietsausschuss der Nationalen Front. Meine Frau und ich setzten uns gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern für ein funktionierendes und lebenswertes Umfeld ein, organisierten Wohngebietsfeste, Frühjahrs- und Herbstputze und Veranstaltungen für Kinder. Wir wollten immer etwas bewegen. Diese Erfahrungen war auch einer der Gründe, warum ich bis heute ohne Unterbrechung ehrenamtlich im Ortsbeirat Lütten Klein mitwirke – auch in Phasen, in denen es mir gesundheitlich nicht so gut ging.

Besonders wichtig war uns auch unser Kleingarten in der Kopenhagener Anlage. Den Bungalow auf dem Gartengrundstück bauten wir gemeinsam mit Freunden auf, vieles entstand in Eigenarbeit. Es gab nicht alles in der DDR, aber es gab Freundschaft, daran erinnere ich mich gut. Gegenseitige Hilfe und Zusammenhalt haben damals den Alltag geprägt. Der Garten lieferte Obst und Gemüse, war Erholung und Ruhepunkt, auch für die Kinder.

Nach der Wende verlor ich zunächst meine Arbeit. Nach einer erfolgreichen, anderthalbjährigen Umschulung pendelte ich ab 1995 siebzehn Jahre lang täglich nach Schwerin, wo ich als IT-Mitarbeiter tätig war. Doch oft war der Tag nach dem langen Arbeitstag und der Fahrzeit noch nicht zu Ende: Ich war oft noch bis spätabends und am Wochenende als Lohnsteuerberater in einem Lohnsteuerhilfeverein tätig, um meine Familie finanziell zu unterstützen: Die beiden Mädchen studierten, ihr BAföG war gering. Vor zwölf Jahren ging ich dann aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente. Aber auch da blieben wir, wie wir waren und bringen uns vielfältig ins gesellschaftliche Leben im Stadtteil ein. So helfe ich, Hans-Jürgen, als „digitaler Lotse“ im Mehrgenerationenhaus älteren Menschen, mit der modernen Technik zurechtzukommen. Bei uns gilt das Motto: Wer rastet, der rostet. Wir sind also eher im sogenannten Unruhestand.

Als 2015 viele Geflüchtete nach Lütten Klein kamen, halfen wir ihnen gemeinsam mit vielen Helfern aus Rostock spontan, das neue Leben und die damit verbundenen Anforderungen zu meistern. Bis heute gibt es viele herzliche, dankbare Kontakte, vor allem zu einer jungen Familie. Es freut uns sehr, dass sie sich in Lütten Klein eingelebt haben und ihr Leben bemerkenswert meistern. Sie brauchen schon lange keine staatlichen Hilfen mehr. Ihre Kinder wachsen behütet und gesund auf. Wir sind stolz und glücklich, dazu etwas beigetragen zu haben.

Ich, Margitta, gebe gemeinsam mit vielen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Helfern Kurse für geflüchtete Frauen im Mehrgenerationenhaus Lütten Klein – auch hier spüren wir große Dankbarkeit und Verbundenheit.

Insgesamt hat sich hier im Stadtteil viel zum Besseren und Lebenswerteren entwickelt, beispielsweise der Nahverkehr: mit Bus und Straßenbahn kommt man schnell in alle anderen Stadtteile. Und wir haben hier auch noch den Warnowpark mit den vielfältigen Shops. Er hat sich dank eines rührigen Geschäftscenter-Managers gut entwickelt. Es gibt den Boulevard mit Markt, Kino, ärztlichen Einrichtungen, Apotheken, Restaurants, Bäckereien, Cafés, Banken sowie Bildungs- und Freizeiteinrichten. Was uns fehlt ist die Postfiliale. Besonders unsere älteren Mitbewohner haben Schwierigkeiten mit dem Paketversand und der Abholung. So kann sich die Post nicht einfach von ihrer Daseinsvorsorge wegstehlen. Dies war mehrfach Gegenstand im Ortsbeirat.

Bis heute fühlen wir uns eng mit Lütten Klein verbunden. Wegziehen wollten wir nie. Für uns ist der Stadtteil nicht nur ein Wohnort, sondern ein Zuhause, geprägt von Gemeinschaft, Engagement und vielen Erinnerungen. Der Mix macht Lütten Klein liebens- und lebenswert.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Renate und Peter P., Jahrgang 1952 und 1949, wohnen seit 1978 in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Mitte der 1970er Jahre wohnten wir mit unserer kleinen Tochter zunächst in der Gerhart-Hauptmann-Straße. Wir teilten uns mit einer älteren Dame eine 90 m² große Wohnung mit Ofenheizung. Küche und Bad wurden gemeinsam genutzt. Im Mai 1978 bekamen wir nach ungefähr drei Jahren Wartezeit eine Einladung von der AWG (Arbeiterwohnungsgenossenschaft) zur Wohnraumverteilung. Damals wurde gerade in Schmarl gebaut. So hofften wir auf eine Wohnung in einem gerade fertiggestellten Block. Die Wohnungen darin wurden üblicherweise ausgelost, aber am Ende der Verlosung waren noch fünf Familien übrig – unter anderem wir. Nun wurde uns mitgeteilt, dass wir eine 2 ½-Raum-Nachzugswohnung erhalten können. Das war ein Zugeständnis, weil unsere Tochter noch keine drei Jahre alt war. Man gehe jedoch von der optimistischen Annahme aus, dass unsere Tochter das dritte Lebensjahr vollenden würde. Erst dann hätte das Kind Anspruch auf ein halbes Zimmer. Wir konnten dann zwischen fünf Adressen wählen: einer in Reutershagen, zweien in Evershagen, einer in der Osloer Straße und einer in der Binzer Straße. Auskünfte über die Wohnungsgröße, den Grundriss sowie der Ausstattung (Heizungsart, Balkon usw.) konnte man uns nicht geben, nur die Adressen wurden uns genannt. Trotzdem mussten wir uns sofort entscheiden. Ein Bekannter wohnte damals in der Binzer Straße in einer 2 2/2-Zimmer Wohnung. Wir wussten, dass sie okay war, also wählten wir die Wohnung in der Binzer Straße, obwohl uns Lütten Klein nicht so richtig reizte. Wir hätten lieber Reutershagen gewählt. Daraufhin erhielten wir einen Besichtigungstermin und sahen die Wohnung zum ersten Mal. Zu dieser Zeit wohnte da eine Familie mit vier Kindern. Das Wohnzimmer war allerdings kleiner als bei dem Bekannten. Das Bad war sehr klein und hatte keinen Waschmaschinenanschluss. Wir wollten die Wohnung sofort zurückgeben, aber das war nicht möglich. Die Wohnung wurde von der AWG renoviert und Peter wurde zum Baumanager ohne Weisungsbefugnis. Zuerst kamen die Maler. Die haben die Tapeten abgerissen und auf dem Boden liegengelassen. Wegräumen mussten wir sie dann. Positiv war, dass wir die neuen Tapeten selbst aussuchen konnten. Das war damals nicht unbedingt üblich. Nach dem Maler kamen noch der Fußbodenleger und der Klempner. Wir wollten einen Waschmaschinenanschluss haben, das war damals durchaus schon Standard, wurde uns aber nur zähneknirschend und nach viel Überzeugungsarbeit gewährt. Die Reihenfolge der Handwerker machte einen Teil der Renovierung wieder zunichte, es war alles in allem eine ziemliche Katastrophe. Als wir im November schließlich einziehen konnten, roch es immer noch nach Katze. Später haben wir uns hier langsam eingelebt.

Die Zwetschgenbäume vor unserem Fenster standen auch damals schon, aber zu der Zeit konnte man noch darüber weggucken. Die Flächen zwischen den Häusern waren schon begrünt und die Vorgärten angelegt. Wir hatten eine Hausordnung, nach der jede Familie an der Pflege beteiligt war. Dazu gehörte, den Vorgarten zu pflegen und im Winter Schnee zu schieben, auch auf der Straße vor dem Haus.

Als wir hierherzogen, bekamen wir für unsere Tochter gleich einen Platz in der Kinderkombination. Die befand sich gleich gegenüber, dort, wo sich heute die Seniorenresidenz befindet. Da dauerte das Anziehen länger als der Weg dahin. Wir hatten wirklich großes Glück. Die Schule war auch fußläufig zu erreichen.

In Lütten Klein gab es damals vier Kaufhallen: eine dort, wo bis vor einiger Zeit das Sozialkaufhaus war, eine in der Mehrzweckhalle und eine in der Danziger Straße, wo jetzt das Kampfsportcenter ist. Die Vierte befand sich auf der Südseite des Stadtteils, wo sich jetzt der große Pennymarkt befindet. Außerdem gab es noch das „Magnet“ in der Warnowallee. Das war ein kleines Kaufhaus, wo man allerlei Industriewaren einschließlich Kleidung kaufen konnte. Und es gab drei Gaststätten sowie eine Poliklinik in unserem Stadtteil. Das war damals für ein Neubauviertel eine gute Infrastruktur. Die hatte man wohl auch dem damaligen Rostocker Stadtplaner zu verdanken, der auch in Lütten Klein wohnte.

Buslinien gab es von der Kopenhagener Straße und von der Saßnitzer Straße zum S-Bahnhof. Meist fuhren Ikarus-Busse. Eine Zeit lang hat man aber auch „Russenschaukeln“ genannte Busse eingesetzt. Die nannte man so, weil sie sich so in die Kurven legten, dass man ordentlich durchgeschüttelt wurde.

Wenn man vom S-Bahnhof nach Hause lief und es geregnet hat, entstand dort, wo heute der Edeka-Markt ist, eine riesige Pfütze. Dort und auch da, wo jetzt der Boulevard ist, war eine große Freifläche. Die war für eine mögliche Straßenbahntrasse gedacht, die aber aus finanziellen Gründen nicht gebaut wurde.

Als man nach der Wende mit der Bebauung der Freifläche begann, entstand zuerst das Gebäude, in dem sich die Sparkasse befindet. Der Entwurf für den Neubau wurde auf einer Bürgerversammlung präsentiert – ein Gebäudekomplex mit dunklen Klinkern. Wir Lütten Kleiner hatten aber die Nase voll vom Einheitsgrau der Häuser und wünschten uns etwas Farbenfrohes. Es wurden aber doch die dunklen Klinker genommen. Mittlerweile ist Lütten Klein viel farbenfroher und freundlicher geworden, so dass das nicht mehr ins Gewicht fällt. Mit der IGA wurde auch die Straßenbahn von Rostock bis Lütten Klein und später bis Lichtenhagen erweitert. Die Infrastruktur wurde insgesamt stark ausgebaut, im Nordwesten wohl am meisten. Alles sehr zur Freude der Einwohner.

Nach der Wende wurden wir beide mehrfach arbeitslos, mussten verschiedene Fortbildungen machen, suchten uns neue Jobs. Dadurch hatten wir kein stabiles Einkommen, mit dem man planen konnte. Die ganze Situation hat uns ziemlich überfordert. An finanzielle Risiken war nicht zu denken. Ein Umzug kam daher nicht infrage.

In unserem Haus wohnen manche Mieter schon fünfzig Jahre und Wohnungswechsel gibt es selten. Es ist ein sehr ruhiges Haus, damit haben wir wirklich Glück. Manches ist hier etwas klein und erfordert Kompromisse, aber die Miete ist günstig und für unser Auto haben wir hinter dem Haus einen preiswerten Parkplatz. Durch die vielen Fahrradwege können wir viel mit dem Rad erledigen oder unternehmen. Man ist z. B. schnell in Warnemünde oder im IGA-Park. Da kann man an der Warnow spazieren gehen. Alles so beieinander zu haben, ist schon gut.

Mittlerweile sind wir sehr zufrieden hier und möchten nicht von hier wegziehen. Außerdem haben wir einen Garten am Rand von Lütten Klein. Gerade weil die Wohnungen hier nicht so groß sind, sind diese Anlagen wichtig, um einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen zu können. Peter hat sich z. B. eine kleine Werkstatt eingerichtet. Dort kann er neben der Gartenarbeit seine Kreativität auch mit Holzbearbeitung und Drechseln ausleben.

Schön ist auch, dass man im Umfeld viele Leute kennt. Man hat seine Bekannten und Freunde hier gefunden sowie Menschen, die wir aus dem Mehrgenerationenhaus kennen, weil sie sich da ebenfalls engagieren. Man lädt sich auch mal auf eine Tasse Kaffee ein oder hält einen Schwatz über den Gartenzaun. Dafür braucht man nur ein paar Schritte zu gehen. Wir sind hier sesshaft geworden. Was will man mehr?


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Christin W., Jahrgang 1977, lebt seit ihrer Geburt in Lütten Klein

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Meine Kindergartenzeit in Lütten Klein verbrachte ich in der Kita, die heute „Lütt Birkenkinner“ heißt. Meine damalige Kindergärtnerin sehe ich bis heute ab und an. Damals gab es hier im Stadtteil viele Kinder. Die Kinder aus unserem Haus haben viel zusammen gespielt, oft haben wir uns oben bei den Nachbarn Buden gebaut. Unsere Eltern arbeiteten ja alle bei der Armee und kannten sich untereinander gut. Ich sprach die anderen Erwachsenen mit Onkel und Tante an. Ich erinnere mich auch noch gut an unsere Weihnachtsfeiern unten im Trockenraum, mit einem eigenen Weihnachtsbaum. Da kam dann die ganze Hausgemeinschaft zusammen. Wir stellten dort Tische und Stühle auf, es gab sogar eine Couch.

Mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war. Er war vorher schon lange krank gewesen. Es gibt noch Bilder aus dieser Zeit, die sich zu Erinnerungen zusammenfügen, beispielsweise daran, dass er immer zuhause war und immer irgendetwas kühlen musste.

Ich ging schon als sehr kleines Kind regelmäßig zum Turmspringen, in der zweiten Klasse dann außerdem ins Orchester. Dort spielte ich dann meine ganze weitere Schulzeit lang Trompete – und sogar darüber hinaus, bis zum zweiten oder dritten Studienjahr.

Meine Jugendweihe fiel in die Wendezeit, deshalb fiel die offizielle Feierstunde aus. Wir haben dann mit der Familie zusammen gefeiert, sind gemeinsam Essen gegangen. Nach der Feier fuhren wir dann gemeinsam nach Tunesien.

Zu den meisten Menschen, die ich aus meiner Schulzeit kenne, habe ich keinen Kontakt mehr. Viele sind weggezogen, nur mit einigen schreibe ich ab und an über WhatsApp. Meine beste Schulfreundin wohnt inzwischen in den Niederlanden.

Nach der Schule habe ich erst ein Studium begonnen, bin dann aber 2007 in eine Ausbildung als Notarfachangestellte gewechselt, die ich 2010 abschloss. In der Kanzlei, in der ich damals gelernt habe, arbeite ich bis heute.

2012 zog ich in eine Wohnung im gleichen Haus, in dem ich auch meine Mutter wohnte. Unser Block ist dafür bekannt, dass hier sowohl Eltern als auch deren erwachsene Kinder wohnen: in unterschiedlichen Wohnungen, aber im selben Haus oder Block.

Ich wohne gern hier, nur ein Fahrstuhl wäre schön. Es stört mich nicht, in den vierten Stock hochzulaufen, aber wenn du Einkäufe hochschleppen musst, ist ein Fahrstuhl schon hilfreich.

Ich habe nie den Drang verspürt, aus Rostock wegzuziehen. Ich bin wirklich Rostockerin und mag meine Stadt sehr. Ich würde mich aber auch als Lütten Kleinerin bezeichnen, weil ich hier sehr verwurzelt bin. Das liegt sicher auch an der engen Beziehung zu meiner Mutter. Wahrscheinlich sind wir auch deshalb so miteinander verbunden, weil wir immer allein waren.


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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten

Frau P., Jahrgang 1947

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@Tom (Redaktion "Stadtgespräche")

Ich bin in Tessin aufgewachsen. Nach Rostock kam ich durch die Liebe. Aber das ist schon lange her und an viele Dinge kann ich mich nicht mehr so gut erinnern. Inzwischen lebe ich allein in meiner Wohnung. Früher mochte ich an Lütten Klein, dass die Geschäfte ganz in der Nähe meiner Wohnung lagen, das ist inzwischen leider nicht mehr so, viele sind geschlossen. Außerdem ging ich gern im Fischerdorf spazieren. Die Häuschen dort sind abgebrannt, aber es gibt immer noch Bänke, so dass man auch am Teich sitzen kann. Außerdem gab es früher so einen kleinen Rodelberg. Dort konnte man ein bisschen rodeln, wenn im Winter Schnee lag.

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02. Sep 2026
Lütten Klein > Geschichten
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