@Tom (Redaktion "Stadtgespräche") .
. 02. Sep 2026
Ich kam 2012 mit meiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland: meine Frau und unsere damals zwei Kinder. Wir lebten zunächst drei Monate in der Geflüchtetenunterkunft in Nostorf-Horst, danach für acht oder neun Monate in Parchim. Dort erkundigte ich mich, wo in der Region ein guter Ort zum Leben wäre und man empfahl mir Rostock und dort konkret Lütten Klein. Das sei ein guter Stadtteil, ein Zentrum innerhalb der Stadt. Man habe dort viele Möglichkeiten und komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin. Also bat ich meinen Betreuer, für uns eine Wohnung in Lütten Klein zu suchen. Bei der Wohnungsbesichtigung begleitete mich jemand, der gut Deutsch sprach. Wir hatten Glück und bekamen sie.
In diesem Haus wohnen wir jetzt seit zwölf Jahren – erst in der dritten Etage, seit vier Jahren nun in der ersten. Zum einen, weil unsere Familie größer geworden ist: 2016 wurde unser drittes Kind geboren. Ein weiterer Grund für den Umzug war, dass wir oft Besuch bekommen, beispielsweise von meinem Schwager und seinen Kindern. Wir wollen die Nachbarn nicht stören, die Kinder sind einfach manchmal laut. Wir kommen aus einer ganz anderen Kultur, bei uns bleiben die Kinder bis 22 Uhr wach und spielen so lange. Deswegen ging ich zur WIRO und bat um diese Wohnung im ersten Stock, das hat man uns ermöglicht.
Wir haben zu allen im Haus Kontakt, es ist eine gute Nachbarschaft, man grüßt sich hier im Haus. Und da wir in der ersten Etage wohnen, kommen bei uns viele Pakete an, die die Nachbarn dann bei uns abholen. Wir sind also ein bisschen sowas wie der Paketshop des Hauses, das wissen die Nachbarn und auch die Zusteller. Mit einigen Nachbarn haben wir noch engeren Kontakt, von einigen habe ich sogar Telefonnummern und Schlüssel. Eine sehr, sehr gute Nachbarin war Frau H. Sie zog nach dem Tod ihres Mannes um, aber wir stehen immer noch in Verbindung. Ich kümmere mich, wenn sie Hilfe braucht, ihr Fahrrad einen Platten hat oder solche Dinge oder wir besuchen sie mit den Kindern an ihrem Geburtstag. Meine Kinder und sie bezeichnen sich als Oma und Enkel. Wenn wir uns nicht sehen, weil meine Frau und ich viel arbeiten, bekomme ich trotzdem jeden Morgen eine WhatsApp-Nachricht und eine zum Abendessen.
In unserem Haus gibt es viele 3- oder 4-Zimmer-Wohnungen, deshalb leben hier viele Familien mit Kindern. Meistens sind es zwei oder drei, eine Familie hat sogar vier oder fünf Töchter. Die Kinder im Haus unternehmen aber nicht so viel zusammen, meine Kinder treffen ihre Freunde eher in der Schule. Mein ältester Sohn hat leider wenig Zeit. Er geht dreimal pro Woche zum Fußballtraining, das beginnt 17.30 Uhr und er ist dann erst 21.30 Uhr zuhause. Er steht im Tor bei der U19 bei Hansa, das ist sein Ding, das macht er gern. Er hat schon viele Medaillen gewonnen. Natürlich bin ich stolz auf ihn. Er ist ein guter Junge. Und manchmal ist er auch mit seinen Freunden unterwegs, Burger essen oder so.
2017 habe ich zunächst auch als Pizzafahrer gearbeitet, in der Zeit, wo ich erst meinen B1- und dann meinen B2-Sprachkurs machte. Später war ich dann Paketzusteller, einer meiner Nachbarn ist das auch. Das ist ein sehr stressiger Job: Wenn man beispielsweise eine Express-Zustellung nicht rechtzeitig erledigt, muss die Firma 250 Euro Strafe zahlen. Inzwischen arbeite ich als Busfahrer. Und auch mein Nachbar hat seinen Job gewechselt und ist LKW-Fahrer geworden.
Ich bin wirklich froh, dass ich mit meiner Familie hier in Deutschland lebe. Es geht uns gut hier. Wir hatten das Glück, diese Wohnung zu finden. Meine Frau und ich haben eine Arbeit, meine Kinder können zur Schule gehen. Sie kommen dort gut zurecht, in der Schule und auch sonst mit den Leuten. Das macht mich froh und stolz.





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