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Anne-Marie, Jahrgang 1992, ist in Lütten Klein aufgewachsen
@Tom (Redaktion "Stadtgespräche") . . 02. Sep 2026

Ich wohne seit meiner Geburt in Lütten Klein, die ersten Lebensjahre lebten wir in der Ahlbecker Straße. Ich war damals viel mit meiner Oma im Stadtteil unterwegs, Lütten Klein fühlt sich für mich nach Heimat und Kindheit an. Zwischenzeitlich habe ich mal für kurze Zeit in Evershagen gewohnt. Ich zog dann aber wieder zurück, weil ich mich nach den vertrauten Straßen zurücksehnte: Hier kenne ich alles und weiß genau, wo was zu finden ist. Außerdem ist Lütten Klein ein sehr, sehr ruhiger Stadtteil, an allen Wochentagen. In meiner Kindheit war es hier natürlich noch stiller, weil noch weniger los war. Damals fehlte die Straßenbahn, und der Platz rund um die Mehrzweckhalle war noch unbebaut.

Der Spielplatz meiner Kindheit lag dort, wo heute der Pusteblumenbrunnen steht. Damals gefiel mir dieser Platz sogar noch besser. Der Rodelberg in Richtung Lichtenhagen war bei uns Kindern damals auch sehr beliebt, vor allem natürlich im Winter, der damals aber irgendwie mehr Schnee zu bieten hatte. In dieser Zeit trafen wir uns dort oft mit Freunden.

Meine Grundschulzeit verbrachte ich in der Grundschule Nord. Sie war damals noch vollkommen unrenoviert (der Neubau folgte erst nach dem Ende meiner Grundschulzeit), trotzdem hatte diese Schule irgendwie Charakter und meine Schulzeit dort war schön. Ich erinnere mich noch an den Namenswechsel zu „Lütt Matten“, kurz bevor ich zur weiterführenden Schule wechselte. In meiner Grundschulzeit gab es in dem Gebäude auch noch die Arche. Sie war kein klassischer Hort, aber es gab dort viele Nachmittagsangebote und Ferienprogramm. Ich fand die Arche wundervoll. Wir haben dort so viel gemacht: Wir bastelten Dinge, passend zur Jahreszeit, gingen raus in die Natur, sammelten Brennnesseln und kochten daraus Tee - das sind auch ganz tolle Erinnerungen. Ich sehe die Frau, die dort als Erzieherin war, immer mal auf den Straßen von Lütten Klein. Inzwischen ist sie mit dem Rollator unterwegs.

Meine Söhne gehen in die Kita „Lütt Kinnerhus“ in der Usedomer Straße, die ich als Kind auch besucht habe. Mein Großer ist sogar bei meiner alten Erzieherin. Das ist echt besonders. Es gibt dort noch viele Gesichter, die ich von früher kenne. Das ist dann immer schön. Da komme ich rein und das Haus riecht immer noch so wie damals.

Meine weiterführende Schule war die Hundertwasser-Gesamtschule in Lichtenhagen. In meiner ersten Zeit dort, in der fünften und sechsten Klasse, war ich noch sehr kindlich, das war anders als heute. Ich unternahm in dieser Zeit viel mit den Freunden aus der Nachbarschaft: Wir fuhren mit dem Fahrrad durch den Stadtteil, saßen im Sommer mit einer Decke auf der Wiese und solche Dinge. Wenn wir in der Schule hitzefrei hatten, ging es gleich mit dem Fahrrad weiter an den Strand. Damals wohnte ich schon in der Rügener Straße.

Als Jugendliche war ich dann nachmittags oft im IN VIA-Mädchentreff in der Stockholmer Straße. Auch mit diesem Ort verbinde ich sehr schöne Erinnerungen. Die Mädels dort waren nicht alle meine Mitschülerinnen oder Freundinnen, man kam dort auch mit anderen zusammen und wir haben auch in den Ferien viel gemeinsam unternommen. Der Ort hatte echt Charme. Einmal hat es dort gebrannt. Danach zogen wir in die Post in der Ahlbecker Straße und alles wurde umorganisiert.

Als ich letztes Jahr bei der Nikolausaktion des Mehrgenerationenhauses einen Nikolausstiefel dort abgegeben habe, hat mich die IN VIA-Mitarbeiterin von damals noch wiedererkannt.

Was mir zu meiner Jugendzeit noch einfällt: Es gab damals das „Fun“, eine Diskothek, oben im Edeka Center. Da war ich auch gerne, zumal ich nach der Disko problemlos zu Fuß nach Hause gehen konnte. Inzwischen existiert es leider nicht mehr.

Nach meiner Ausbildung zog ich mit meinem jetzigen Mann nach Evershagen. Aber als wir anfingen, über eine Familiengründung nachzudenken und eine größere Wohnung suchten, zog es uns wieder nach Lütten Klein, auch weil meine Mama in der Nähe wohnt. Meine Mutter war es dann auch, die eines Tages einen großen Berg Sperrmüll vor einem der Häuser entdeckte. Sie gab mir den Tipp, mal beim Vermieter nachzufragen, ob da jemand auszieht. „Ja, da ist jemand ausgezogen“, hieß es dann, „Die Wohnung wird jetzt komplett saniert. Aber danach können Sie einziehen.“

Eigentlich hatten wir immer die Idee, ein eigenes Haus auf dem Lande zu bauen, aber aktuell sind die Kosten unglaublich hoch. Wir können uns vorstellen, hier wohnen zu bleiben, wenn sich ein Weg findet, unsere Wohnung mit der danebenliegenden zu verbinden. Im Prinzip hat man hier alles, ohne dass man ins Auto steigen muss: Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Friseur, Kindergärten, eine Bibliothek. Und unsere Arbeitsorte sind gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Das ist schon ein Vorteil gegenüber dem Landleben, zumal wenn die Kinder dann größer werden.

Ich bin Sozialpädagogin und deshalb beruflich und privat gleichermaßen wenig voreingenommen. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich an Lütten Klein das Zusammenleben ganz verschiedener sozialer Schichten so schätze. Ich wohne in der Rügener Straße und unter meinen Nachbarn finden sich Klienten, aber auch ehemalige Erzieher, Ingenieure, Lehrerinnen, Mitarbeiter aus dem Jugendamt und so weiter. Außerdem ist Lütten Klein dafür bekannt, dass hier viele Familien wohnen, das führt zu einem besonderen Miteinander von Jung und Alt, das ich sehr mag.

Ich habe mich hier im Stadtteil nie unsicher gefühlt. Umso erschreckender finde ich es, wenn ich, beispielsweise im Rückbildungskurs, Sätze höre wie „Man traut sich hier abends nicht mehr auf die Straße.“ Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich fühle mich hier sicher, bin noch nie angepöbelt oder angemacht worden. Ich kann mich überhaupt nicht beklagen.


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