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Renate und Peter P., Jahrgang 1952 und 1949, wohnen seit 1978 in Lütten Klein
@Tom (Redaktion "Stadtgespräche") . . 02. Sep 2026

Mitte der 1970er Jahre wohnten wir mit unserer kleinen Tochter zunächst in der Gerhart-Hauptmann-Straße. Wir teilten uns mit einer älteren Dame eine 90 m² große Wohnung mit Ofenheizung. Küche und Bad wurden gemeinsam genutzt. Im Mai 1978 bekamen wir nach ungefähr drei Jahren Wartezeit eine Einladung von der AWG (Arbeiterwohnungsgenossenschaft) zur Wohnraumverteilung. Damals wurde gerade in Schmarl gebaut. So hofften wir auf eine Wohnung in einem gerade fertiggestellten Block. Die Wohnungen darin wurden üblicherweise ausgelost, aber am Ende der Verlosung waren noch fünf Familien übrig – unter anderem wir. Nun wurde uns mitgeteilt, dass wir eine 2 ½-Raum-Nachzugswohnung erhalten können. Das war ein Zugeständnis, weil unsere Tochter noch keine drei Jahre alt war. Man gehe jedoch von der optimistischen Annahme aus, dass unsere Tochter das dritte Lebensjahr vollenden würde. Erst dann hätte das Kind Anspruch auf ein halbes Zimmer. Wir konnten dann zwischen fünf Adressen wählen: einer in Reutershagen, zweien in Evershagen, einer in der Osloer Straße und einer in der Binzer Straße. Auskünfte über die Wohnungsgröße, den Grundriss sowie der Ausstattung (Heizungsart, Balkon usw.) konnte man uns nicht geben, nur die Adressen wurden uns genannt. Trotzdem mussten wir uns sofort entscheiden. Ein Bekannter wohnte damals in der Binzer Straße in einer 2 2/2-Zimmer Wohnung. Wir wussten, dass sie okay war, also wählten wir die Wohnung in der Binzer Straße, obwohl uns Lütten Klein nicht so richtig reizte. Wir hätten lieber Reutershagen gewählt. Daraufhin erhielten wir einen Besichtigungstermin und sahen die Wohnung zum ersten Mal. Zu dieser Zeit wohnte da eine Familie mit vier Kindern. Das Wohnzimmer war allerdings kleiner als bei dem Bekannten. Das Bad war sehr klein und hatte keinen Waschmaschinenanschluss. Wir wollten die Wohnung sofort zurückgeben, aber das war nicht möglich. Die Wohnung wurde von der AWG renoviert und Peter wurde zum Baumanager ohne Weisungsbefugnis. Zuerst kamen die Maler. Die haben die Tapeten abgerissen und auf dem Boden liegengelassen. Wegräumen mussten wir sie dann. Positiv war, dass wir die neuen Tapeten selbst aussuchen konnten. Das war damals nicht unbedingt üblich. Nach dem Maler kamen noch der Fußbodenleger und der Klempner. Wir wollten einen Waschmaschinenanschluss haben, das war damals durchaus schon Standard, wurde uns aber nur zähneknirschend und nach viel Überzeugungsarbeit gewährt. Die Reihenfolge der Handwerker machte einen Teil der Renovierung wieder zunichte, es war alles in allem eine ziemliche Katastrophe. Als wir im November schließlich einziehen konnten, roch es immer noch nach Katze. Später haben wir uns hier langsam eingelebt.

Die Zwetschgenbäume vor unserem Fenster standen auch damals schon, aber zu der Zeit konnte man noch darüber weggucken. Die Flächen zwischen den Häusern waren schon begrünt und die Vorgärten angelegt. Wir hatten eine Hausordnung, nach der jede Familie an der Pflege beteiligt war. Dazu gehörte, den Vorgarten zu pflegen und im Winter Schnee zu schieben, auch auf der Straße vor dem Haus.

Als wir hierherzogen, bekamen wir für unsere Tochter gleich einen Platz in der Kinderkombination. Die befand sich gleich gegenüber, dort, wo sich heute die Seniorenresidenz befindet. Da dauerte das Anziehen länger als der Weg dahin. Wir hatten wirklich großes Glück. Die Schule war auch fußläufig zu erreichen.

In Lütten Klein gab es damals vier Kaufhallen: eine dort, wo bis vor einiger Zeit das Sozialkaufhaus war, eine in der Mehrzweckhalle und eine in der Danziger Straße, wo jetzt das Kampfsportcenter ist. Die Vierte befand sich auf der Südseite des Stadtteils, wo sich jetzt der große Pennymarkt befindet. Außerdem gab es noch das „Magnet“ in der Warnowallee. Das war ein kleines Kaufhaus, wo man allerlei Industriewaren einschließlich Kleidung kaufen konnte. Und es gab drei Gaststätten sowie eine Poliklinik in unserem Stadtteil. Das war damals für ein Neubauviertel eine gute Infrastruktur. Die hatte man wohl auch dem damaligen Rostocker Stadtplaner zu verdanken, der auch in Lütten Klein wohnte.

Buslinien gab es von der Kopenhagener Straße und von der Saßnitzer Straße zum S-Bahnhof. Meist fuhren Ikarus-Busse. Eine Zeit lang hat man aber auch „Russenschaukeln“ genannte Busse eingesetzt. Die nannte man so, weil sie sich so in die Kurven legten, dass man ordentlich durchgeschüttelt wurde.

Wenn man vom S-Bahnhof nach Hause lief und es geregnet hat, entstand dort, wo heute der Edeka-Markt ist, eine riesige Pfütze. Dort und auch da, wo jetzt der Boulevard ist, war eine große Freifläche. Die war für eine mögliche Straßenbahntrasse gedacht, die aber aus finanziellen Gründen nicht gebaut wurde.

Als man nach der Wende mit der Bebauung der Freifläche begann, entstand zuerst das Gebäude, in dem sich die Sparkasse befindet. Der Entwurf für den Neubau wurde auf einer Bürgerversammlung präsentiert – ein Gebäudekomplex mit dunklen Klinkern. Wir Lütten Kleiner hatten aber die Nase voll vom Einheitsgrau der Häuser und wünschten uns etwas Farbenfrohes. Es wurden aber doch die dunklen Klinker genommen. Mittlerweile ist Lütten Klein viel farbenfroher und freundlicher geworden, so dass das nicht mehr ins Gewicht fällt. Mit der IGA wurde auch die Straßenbahn von Rostock bis Lütten Klein und später bis Lichtenhagen erweitert. Die Infrastruktur wurde insgesamt stark ausgebaut, im Nordwesten wohl am meisten. Alles sehr zur Freude der Einwohner.

Nach der Wende wurden wir beide mehrfach arbeitslos, mussten verschiedene Fortbildungen machen, suchten uns neue Jobs. Dadurch hatten wir kein stabiles Einkommen, mit dem man planen konnte. Die ganze Situation hat uns ziemlich überfordert. An finanzielle Risiken war nicht zu denken. Ein Umzug kam daher nicht infrage.

In unserem Haus wohnen manche Mieter schon fünfzig Jahre und Wohnungswechsel gibt es selten. Es ist ein sehr ruhiges Haus, damit haben wir wirklich Glück. Manches ist hier etwas klein und erfordert Kompromisse, aber die Miete ist günstig und für unser Auto haben wir hinter dem Haus einen preiswerten Parkplatz. Durch die vielen Fahrradwege können wir viel mit dem Rad erledigen oder unternehmen. Man ist z. B. schnell in Warnemünde oder im IGA-Park. Da kann man an der Warnow spazieren gehen. Alles so beieinander zu haben, ist schon gut.

Mittlerweile sind wir sehr zufrieden hier und möchten nicht von hier wegziehen. Außerdem haben wir einen Garten am Rand von Lütten Klein. Gerade weil die Wohnungen hier nicht so groß sind, sind diese Anlagen wichtig, um einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen zu können. Peter hat sich z. B. eine kleine Werkstatt eingerichtet. Dort kann er neben der Gartenarbeit seine Kreativität auch mit Holzbearbeitung und Drechseln ausleben.

Schön ist auch, dass man im Umfeld viele Leute kennt. Man hat seine Bekannten und Freunde hier gefunden sowie Menschen, die wir aus dem Mehrgenerationenhaus kennen, weil sie sich da ebenfalls engagieren. Man lädt sich auch mal auf eine Tasse Kaffee ein oder hält einen Schwatz über den Gartenzaun. Dafür braucht man nur ein paar Schritte zu gehen. Wir sind hier sesshaft geworden. Was will man mehr?


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